In seiner ersten Neujahrsansprache hat Papst Leo XIV. deutliche Kritik an westlichen Demokratien geübt. Vor mehr als 180 beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomaten warnte das katholische Oberhaupt vor einer «neuen Sprache mit orwellschem Beigeschmack» und stellte fest: «Es ist bedauerlich, festzustellen, dass insbesondere im Westen der Raum für echte Meinungsfreiheit immer mehr eingeschränkt wird.» Der Papst warnte vor einer zunehmenden Intoleranz gegenüber abweichenden Meinungen im Namen der Inklusion.
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Die Ausführungen erfolgten laut Welt vor dem Hintergrund wachsender internationaler Spannungen und nach der umstrittenen Festnahme des venezolanischen Präsidenten durch US-Streitkräfte. Ohne Washington explizit zu nennen, kritisierte Leo XIV. den Rückzug vom multilateralen Dialog und sprach von einer «Diplomatie der Stärke», die den Frieden gefährde: «Krieg ist wieder in Mode gekommen, und eine kriegerische Stimmung breitet sich aus.»
Der erste US-amerikanische Papst forderte zugleich Solidarität mit Migranten und den «Schutz der Menschen- und Bürgerrechte» in Venezuela. Gesellschaftspolitisch zeigte sich Leo XIV. klar konservativ. Er verurteilte staatlich geförderte Abtreibungen, kritisierte die Legalisierung von Euthanasie und wandte sich gegen Versuche, «die traditionelle Ehe von Mann und Frau zu zerstören».
Auch die Rolle der Vereinten Nationen nahm er ins Visier. Diese sollten sich «weniger um die Verbreitung von Ideologien kümmern» und sich stattdessen auf die Friedensvermittlung konzentrieren.