Es war der 19. November 2024. Der Krieg in der Ukraine währte genau tausend Tage. Tausend Tage Tod. Tausend Tage Leid. Tausend Tage Vernichtung. An diesem Tag ergriff Papst Franziskus das Wort. Und das Oberhaupt der katholischen Kirche fand deutliche Worte.
«Krieg ist immer eine Niederlage. Ich fordere noch einmal, den Irrsinn der Gewalt zu beenden und sich für einen gerechten und dauerhaften Frieden einzusetzen. Beten wir für die ukrainische Bevölkerung», postete Franziskus.
Wichtig, so der Papst damals, sei ein gerechter und dauerhafter Frieden. Und um diesen zu erreichen, brauche es – so hatte Franziskus schon früher deutlich gemacht – Mut zur Verhandlung, Weisheit sowie Ausdauer und Geduld.
Im Februar dieses Jahres legte Franziskus dann bei einem Interview mit dem Schweizer Sender RSI nach. Der Stärkste sei derjenige, so der Pontifex, der eine Situation betrachte, dann an das Volk denke, den Mut habe, die weisse Fahne zu hissen und auch bereit sei, zu verhandeln.
Der Sturm der Entrüstung der Bellizisten dieser Welt liess nicht lange auf sich warten. Von Göring-Eckardt bis Strack-Zimmerman formierte sich die Ökumene der Kriegsertüchtiger. Russland sei der Aggressor und nicht die Ukraine. Der Papst wende sich an den Falschen, so der Tenor.
Dabei hat Franziskus nur an das christlichste aller christlichen Gebote erinnert: Feindesliebe und Frieden. Von einem «gerechten Krieg» hat Jesus nie gesprochen. Für den Nazarener war jedes Töten ungerecht. Die Idee, dass man seinen Nächsten im Namen Gottes, im Namen der Menschenrechte, einer feministischen Aussenpolitik oder zur Verteidigung niedermetzeln kann, ist den Hirnen spitzfindiger Theologen entsprungen. Jesus dachte radikal anders.
Jorge Bergoglio war ein umstrittener Papst. Manches an seinem Pontifikat kann man kritisieren. Doch schon jetzt lässt sich sagen: Sein grösstes Verdienst ist es, mit der unchristlichen Idee des «gerechten Krieges» endlich gebrochen zu haben. Es war sein grösster, sein mutigster, sein wichtigster Schritt.