Gunzesried-Säge, ein 79-Seelen-Dorf im Oberallgäu, soll bis zu 45 Flüchtlinge aufnehmen – eine Entscheidung, die im Ort für erheblichen Unmut sorgt. Wie die Bild-Zeitung berichtet, ist die Stimmung angespannt. Bürgermeister Christof Endress (CSU) stellt sich gegen die geplante Unterbringung im Sporthotel «Heubethof» und betont: «Der Ort ist dafür nicht geeignet. Die Integration fällt unter diesen Bedingungen schwer.» Das Landratsamt habe dennoch entschieden, dort Geflüchtete unterzubringen.
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Gunzesried-Säge liegt abgelegen im Naturpark Nagelfluhkette. Blaichach mit Supermärkten, Ärzten und Schulen ist über acht Kilometer entfernt, die Busanbindung spärlich. Endress hat inzwischen eine Petition mit 106 Unterschriften an den Landtag übergeben.
Die Unterkunft wird vom Mentalcoach Robby Lange bereitgestellt, der das Hotel seit 2007 betreibt. Er sieht die Umgebung als Chance für Geflüchtete: «Integration machen nicht Einkaufsläden, sondern Menschen.» Kritische Stimmen im Ort widersprechen. «Unser Ort liegt am Arsch der Welt ohne Anbindung. Ohne Auto ist man hier aufgeschmissen. Sie dürfen nicht arbeiten und liegen dann den ganzen Tag in der Sonne rum. Bin gespannt, wie die rumänischen Arbeiter, die hier leben und hart arbeiten, darauf reagieren», so Anwohnerin Martina Lohbihler.
Landrätin Indra Baier-Müller (Freie Wähler) verteidigt das Vorhaben: Die Unterbringungslage sei weiter angespannt. Ziel sei es, Notunterkünfte wie Zelte zu vermeiden. Ob im abgelegenen Gunzesried-Säge ein tragfähiges Integrationsmodell entstehen kann, bleibt fraglich.