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Online-Magazin «Republik» steht vor dem Abgrund: Das Portal hat Details über seine katastrophale Situation enthüllt. Die Verbliebenen versuchen, das Ruder noch herumzureissen

Dieser Text von Autor Rico Kutscher erschien zuerst auf dem Wirtschaftsnews-Portal Muula.ch. Die Redaktion.

Das linke Online-Medium Republik ist mit Steuerhinterziehung in eine Existenzkrise geraten, wie das Wirtschaftsnews-Portal muula.ch unlängst berichtet hatte.

Doch nun ist neben Ebbe in den Kassen noch ein gewaltiges Problem hervorgetreten.

Die Rede ist vom Organisationsmangel, einer Situation, wenn Verantwortliche überraschend das Handtuch werfen und laut Gesetz nicht mehr genügend Führung für eine Gesellschaft vorhanden ist.

KEYSTONE/GAETAN BALLY
Mitglieder der Redaktion des Magazins Republik nehmen an der Redaktionssitzung am Montagmorgen teil, aufgenommen am Montag, 30
KEYSTONE/GAETAN BALLY

Es betrifft laut Angaben der Republik vom gestrigen Montag die Aktiengesellschaft, wo eine Unterbesetzung des strategischen Gremiums eingetreten ist.

Und es betrifft auch die Project-R-Genossenschaft, weil Roger de Weck im Frühling seinen Rücktritt erklärt hat, aber ein Genossenschaftsvorstand mindestens aus drei Personen bestehen muss.

All dies ist bei dem Portal nicht mehr gegeben, und daher droht nun das Aus.

Das Magazin muss noch vor Ende Juli (!) die Gremien besetzen, und für den Verwaltungsrat der Aktiengesellschaft braucht es daher eine ausserordentliche Generalversammlung und für die Project-R-Genossenschaft eine ausserordentliche Urabstimmung.

Für die strategische Führung brauche die Republik mindestens drei Personen: eine für die Publizistik, eine für das Unternehmertum und eine für die Finanzen, hiess es weiter.

Wie fast immer bei linken Projekten gibt es viele Gremien, und bei der Republik stellte man intern ein breit abgestütztes Gremium zusammen, das geeignete Personen für diese Aufgaben finden sollte.

Allerdings ist dabei offensichtlich nicht viel herausgekommen, weil die gefundenen Persönlichkeiten alles andere als geeignet für eine strauchelnde Medienfirma scheinen.

So tritt etwa der pensionierte Ex-Chef der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK), Michel Huissoud, an.

Er ist Jurist und hatte sich früher mal auf Steuerrecht spezialisiert. Von Medien dürfte er wenig Ahnung haben, denn die EFK ist auch unter seiner Leitung vielerorts für ihre katastrophale Kommunikation bekannt gewesen.

Zudem stellen sich Karin Landolt, die Inhaberin einer Kommunikationsagentur, Roger Staub, der pensionierte Leiter der Sektion Aids vom Bundesamt für Gesundheit (BAG), und Nina Scheu, die ebenfalls pensionierte Kommunikationsverantwortliche der Mediengewerkschaft Syndicom, zur Wahl.

Es bleibt allerdings völlig schleierhaft, wie sie das operative Chaos mit Steuerhinterziehung bei Mehrwert- und Schenkungssteuer, Massenentlassungen bei den rund fünfzig Journalisten und das strategische Chaos mit einer völlig unüberschaubaren Struktur aus Genossenschaft und Aktiengesellschaft in einem schrumpfenden Medienmarkt bewältigen wollen.

Der Ex-Chef der Eidgenössischen Finanzkontrolle Huissoud und auch die pensionierte Medienverantwortliche der Gewerkschaft mussten sich wahrscheinlich bisher noch nie damit beschäftigen, Geld für ihre Tätigkeiten heranzuschaffen.

Dass sie persönlich für solche Gesellschaften mit ihrem Privatvermögen haften, wissen sie hoffentlich. Als Verwaltungsräte einer Aktiengesellschaft sind sie nämlich für das Wohl der Firma persönlich verantwortlich.

Die Aktienmehrheit haben aber zwölf Geldgeber zusammen mit dreizehn Gründungsmitgliedern, und somit haben sie zumindest in der AG auch formal das Sagen.

Die Bewerbungsdossiers der Kandidaten lesen sich jedenfalls wie Witzporträts, die kaum zum Ernst der Lage passen. «Zuhören, mitdenken, aufbauen», sagte etwa Gewerkschafterin Scheu zu ihren Plänen für den Verwaltungsrat und den Vorstand.

BAG-Aids-Kampagnen-Leiter Staub sieht seine Pläne in ruhigeren Fahrwassern und einer Konsolidierung.

Völlig daneben scheint die Kommunikationsagentur-Inhaberin Landolt zu sein, denn sie plant, «Gesprächskultur, Transparenz, Vertrauensbildung und Organisationsentwicklungs-Unterstützung bei Bedarf».

Selbst Huissoud schwebt vor, die Republik zu stärken. Wie, bleibt aber sein Geheimnis.

Leser der Bewerbungsangaben können den Eindruck gewinnen, das mehrheitlich aus Pensionären bestehende Gremium habe den Ernst der Lage überhaupt nicht verstanden.

Es brauchte nämlich Sanierungskompetenzen und Turnaround-Erfahrungen.

Wer dann auch nur einen einzigen Blick auf die «vereinfachte Darstellung» des Organigramms wirft, weiss, dass bei der Republik mittlerweile Hopfen und Malz verloren sind und Chaos herrscht.

Linke Projekte, so heisst es, gehen ohnehin meist nur so lange gut, wie Geld ausgegeben werden kann.

Bei dem Online-Magazin scheint das Ende der Fahnenstange erreicht. Aus dem innersten Kreis hört man auch, dass das Republik-Projekt mittlerweile nur noch eine Quasselbude sei.

Republik-Verantwortliche müssen aus den Finanzmitteln zudem fast eine Million Franken an Steuern an den Kanton Zürich sowie den Bund zahlen, was die Geldgeber des Medienprojektes sicher so nicht gewollt haben.

Und was rund fünfzig Journalisten jeden Tag produzieren, ist so minim, dass sich Beobachter wundern, warum die Kunden, also die Genossen, da nicht schon längst auf die Barrikaden gegangen sind.

Das Geschwafel der Journalisten ist aber genauso episch breit wie die komplizierten Erklärungen der Verantwortlichen, die nun versuchen, das Projekt noch irgendwie zu retten.

Per 31. Juli ist Schluss, falls die ganzen Wahlen neuer Verantwortlicher nicht gelingen.

Diese wären dann aber auch bloss bis zum Oktober gewählt, weil dann die nächste ordentliche Plenarsitzung stattfindet. Das alles hat mittlerweile wohl nichts mehr mit Journalismus, sondern nur noch mit Administration zu tun.

Das Geld, wohlgemerkt nicht aus der eigenen Tasche, wird reihenweise versenkt – eben bis wohl nichts mehr da ist.

Rico Kutscher ist Betreiber des Wirtschafts-Newsportals Muula.ch.

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