Österreich verkürzt die Sommerferien für Schüler mit mangelnden Deutschkenntnissen. Das Parlament in Wien beschloss, dass betroffene Kinder künftig verpflichtend eine zweiwöchige Sommerschule besuchen müssen, um ihre Sprachkompetenz zu verbessern. Bei Verweigerung drohen Geldstrafen.
Die Regelung ist Teil der Integrationspolitik der Koalitionsregierung aus ÖVP, SPÖ und den liberalen Neos. Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) sagte im Parlament: «Deutsch ist der Schlüssel für den Bildungsaufstieg, und Deutsch ist auch der Schlüssel für ein gelungenes Leben.»
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Betroffen sind Schüler bis fünfzehn Jahre, die wegen sprachlicher Defizite Sonderklassen oder Förderkurse besuchen. Nach Regierungsangaben waren dies im vergangenen Jahr rund 48.000 Kinder. Besonders ausgeprägt ist das Problem in Wien: Dort konnten zu Beginn des laufenden Schuljahres rund 20 Prozent der Grundschüler dem Unterricht nicht ausreichend auf Deutsch folgen. Die Stadt führt dies vor allem auf den Familiennachzug von Geflüchteten aus Syrien zurück.
In Österreich dauern die Sommerferien neun Wochen. Bisher war die Sommerschule für leistungsschwächere Schüler freiwillig. Künftig wird sie für Kinder mit erheblichen Deutschdefiziten verpflichtend.