Knapp die Hälfte der nach 2022 nach Österreich gekommenen Syrer hat bislang keinen Job gefunden – trotz zahlreicher Vermittlungsversuche durch den Arbeitsmarktservice (AMS). Das geht aus einer Untersuchung hervor, über die die Zeitung Die Welt berichtet. Besonders gravierend: Drei von zehn Geflüchteten sprechen eineinhalb Jahre nach ihrer Ankunft kein Wort Deutsch. Nur 10 Prozent erreichen ein B-Niveau, 1 Prozent ein C-Niveau.
BARBARA GINDL / KEYSTONE
Die Studie mit über 54.000 Datensätzen und zusätzlichen Interviews zeigt: Die jüngste Flüchtlingskohorte ist deutlich schwerer integrierbar als jene von 2015 und 2016. Der Bildungsstand ist niedriger, viele Betroffene leiden unter psychischen Belastungen und betreuen Angehörige. Gerade Frauen haben es schwer, in den Arbeitsmarkt einzusteigen – sei es wegen traditioneller Rollenbilder, Betreuungsaufgaben oder Kleidungsvorschriften wie Kopftuchverboten.
Zahlreiche Befragte beklagen die Praxis des AMS, sie vorschnell in einfache Tätigkeiten zu vermitteln – unabhängig von Qualifikation oder Berufserfahrung. «Ich habe Medizin studiert, aber soll als Reinigungskraft arbeiten», schilderte eine syrische Ärztin ihre Erfahrung. Einige gaben an, absichtlich Sprachprüfungen nicht zu bestehen, um derartigen Jobs zu entgehen. Die Behörde selbst widerspricht: Dies sei kein «wahrnehmbares Phänomen».
Die Integration bleibe schwierig: Viele Syrer hätten kaum Kontakt zur einheimischen Bevölkerung und zögen sich in die eigene Community zurück. Ein Grund sei das Misstrauen aus Erlebnissen auf der Flucht. Die Autoren des Berichts betonen dennoch: Trotz aller Hürden sei es dem AMS vielfach gelungen, Syrer rasch in Arbeit zu bringen – allerdings unter hoher Belastung für die Mitarbeitenden.