Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF sehen sich einer nie dagewesenen Flut an Zuschauerbeschwerden ausgesetzt. Wie Recherchen des Onlineportals Correctiv ergaben, gingen 2024 beim ZDF rund 17.000 Programmbeschwerden ein – etwa zehnmal so viele wie im Vorjahr. Die ARD verzeichnete laut eigenen Angaben sogar 31.000 Eingaben allein bei der Programmdirektion in München. Eine Sprecherin räumte ein: «Die reale Zahl ist noch höher», da Beschwerden bei anderen Landesrundfunkanstalten nicht zentral erfasst würden.
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Die Gründe für die Kritik sind vielfältig. So wurde eine ARD-Dokumentation über Namibia mit Influencerin Aminata Belli nach Protesten wegen Falschdarstellungen gelöscht. Auch das «ZDF Magazin Royale» von Jan Böhmermann steht regelmässig im Zentrum der Kritik.
Ein Teil der massenhaften Beschwerden soll laut ZDF von Gegnern des öffentlich-rechtlichen Rundfunks stammen. Diese nutzten Plattformen wie Rundfunkalarm.de, wo standardisierte Textbausteine für Beschwerden angeboten werden. Oft genutzte Begriffe seien dabei «Propaganda» oder «fehlende Ausgewogenheit».
Gleichzeitig betont das ZDF, es erhalte auch «sehr konstruktive und mit grosser Sorgfalt zusammengetragene Beschwerden» von Menschen, die dem Sender grundsätzlich wohlgesinnt seien. Ziel sei es dabei, die Programmqualität zu bewahren oder zu verbessern.