Man habe sich für zwei «zweifellos umstrittene» Gäste entschieden, schreiben die Veranstalter der Wiener Festwochen, ein Kulturfestival in der Hauptstadt von Österreich. Das dürfte die Untertreibung des Jahres sein.
Im Rahmen der Reihe «Revolutionary Love» debattierten zwei Gäste der besonderen Art: Karl-Heinz Dellwo und Gabriele Rollnik, zwei linksextreme Terroristen.
Das ehemalige RAF-Mitglied Dellwo sass zwei Mal lebenslänglich ab aufgrund zweifachen Mordes. Er war 1975 an der Geiselnahme in der deutschen Botschaft in Stockholm beteiligt. 1995 wurde er aus der Haft entlassen.
Rollnik gehörte der Gruppierung 2. Juni an, sass fünfzehn Jahre in Haft wegen der Entführung eines Politikers und eines Unternehmers und kam 1992 in Freiheit.
Beide haben ihre Strafe verbüsst, sind in die Gesellschaft zurückgekehrt und haben sich nicht mehr straffällig verhalten. Ausgrenzen muss man sie also nicht. Aber sollte man ihnen mit Steuergeldern Auftritte ermöglichen?
Für 2024 und 2025 flossen 28 Millionen Euro öffentliche Gelder in die Wiener Festwochen. Seit damals ist der Schweizer Milo Rau Intendant der Veranstaltung. Und er hat sichtlich keine Probleme mit dem Auftritt von Ex-Terroristen.
Im österreichischen Servus TV wirbt Rau um Verständnis für die Gewalttäter. Es seien eben andere Zeiten gewesen. «Die Mittel waren falsch, die Ziele waren meines Erachtens richtig», lässt sich der Künstler zitieren. Mit «richtig» sind die Ziele von linksextremen Gewalttätern gemeint, die Menschen auf dem Gewissen haben.
Im November 2024 trat das Duo Dellwo/Rollnik bereits einmal gemeinsam an einem Anlass in Bern auf. Zu diesem hatte ein anonymes linksautonomes Kollektiv eingeladen. Immerhin flossen dafür keine Steuergelder.
Worauf die Öffentlichkeit in Bern wie auch jetzt in Wien aber vergeblich gewartet hat: Auf eine Distanzierung von den damaligen Taten. Die Tournee der Ex-Terroristen dient im Gegenteil sogar dem Versuch der Legitimierung von Entführung und Mord.