Als ich um zehn Uhr auf die Uhr schaute», notierte der Theaterkritiker Alfred Kerr boshaft über eine quälende Premiere in Berlin, «war es erst halb neun.» So ähnlich geht es dem deutschen Publikum mit der Bundesregierung. Als kürzlich sämtliche deutschen Medien eine durchweg negative Bilanz ihrer ersten hundert Tage zogen, zuckten viele Leser und Zuschauer zusammen, weil ihnen zu Bewusstsein kam, dass Friedrich Merz und Lars Klingbeil gerade erst seit gut drei Monaten herumfuhrwerken. In der allgemeinen Wahrnehmung herrscht in dem schwarz-roten Zwangsbündnis mindestens die gleiche bleierne Endzeitstimmung wie am Ende der Ampel. Nach dem Sommer des Missvergnügens auf beiden Seiten d ...