Ein polnisches Gericht hat die Auslieferung eines mutmasslichen Nord-Stream-Saboteurs an Deutschland abgelehnt – und damit die juristische und politische Aufarbeitung der Anschläge auf die Ostsee-Pipelines in neue Turbulenzen gestürzt. Der Ukrainer Wolodymyr S., der laut deutscher Bundesanwaltschaft an den Explosionen beteiligt gewesen sein soll, ist seit Mitte Oktober ein freier Mann. Das Bezirksgericht Warschau entschied, die Beweise reichten nicht aus, zudem handle es sich möglicherweise um eine militärische Operation – keine klassische Straftat, berichtet die Zeitung Die Welt.
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Die Reaktion in Deutschland fiel scharf aus. Ermittler werfen Polen vor, einen mutmasslichen Täter aus politischen Gründen zu schützen. Doch Verteidiger Tymoteusz Paprocki weist das zurück: Das Gericht sei unabhängig, und der Anschlag habe nicht deutsches, sondern russisches Eigentum betroffen – «so etwas kann man sich wahrscheinlich nur in Deutschland ausdenken».
Anders ist die Lage in Italien, dort steht ein ukrainischer Verdächtiger vor der Auslieferung. Serhii K., Ex-Offizier der ukrainischen Armee, soll Teil der Crew der Segeljacht «Andromeda» gewesen sein – laut Generalbundesanwalt mutmassliches Tatfahrzeug. Der Kassationsgerichtshof in Rom entscheidet diese Woche über sein Schicksal. K. bestreitet jede Beteiligung.
Beide Verteidiger – in Polen wie in Italien – kritisieren mangelnde Akteneinsicht, intransparente Haftgründe und eine «Politisierung» der Verfahren.