Ein neues Dokument des ukrainischen Verteidigungsministeriums bestätigt, was lange vermutet wurde: Serhij K., der in Deutschland wegen mutmasslicher Beteiligung an den Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines in Untersuchungshaft sitzt, war zum Tatzeitpunkt aktiver Elitesoldat. Sein damaliger Vorgesetzter, Roman Tscherwinsky, sagte dem Spiegel: «Serhij stand zum damaligen Zeitpunkt unter meinem Kommando. Er hat alle Aufträge unserer Einheit ausgeführt.»
Swedish Coast Guard via AP, File
Die Aussagen des Ex-Militärs sind brisant, denn Tscherwinsky selbst gilt als zentrale Figur hinter der Operation. Bereits 2024 hatte der Spiegel berichtet, dass die Sprengung von Nord Stream 1 und 2 auf ein ukrainisches Kommando zurückgehe – bestehend aus Spezialkräften und Tauchern, das mit der Segeljacht «Andromeda» operierte. Die Explosionen am 26. September 2022 sollen vom Meeresgrund aus durchgeführt worden sein. Das Kommando habe demnach direkt dem damaligen Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee unterstanden.
In dem Schreiben an den Menschenrechtsbeauftragten des ukrainischen Parlaments wird bestätigt, dass K. vom 10. August 2022 bis Ende November 2023 in der Einheit A0987, einem Spezialkräftekommando, als Hauptmann diente.
Tscherwinsky selbst wollte sich zur Operation nicht äussern. Er habe «keine Aussagegenehmigung für einzelne Operationen». Gleichwohl rechtfertigte er den Anschlag in der Ostsee rückblickend: Die Pipelines seien ein «militärisch legitimes Ziel» gewesen, da Russland damit seine Armee finanziert habe. Die Attacke habe zudem in internationalen Gewässern stattgefunden und sei laut internationalem Seerecht nicht verboten.
Diese Argumentation wird nun auch Teil der Verteidigungsstrategie von Serhij K. Vor dem Bundesgerichtshof sei laut Spiegel eine Beschwerde anhängig, die eine funktionelle Immunität als Soldat geltend macht. Ein ähnlicher Fall war im Herbst in Polen gescheitert, wo ein weiterer Verdächtiger – der Tauchlehrer Wolodymyr Sch. – nicht ausgeliefert wurde. Ein polnisches Gericht sah in der Sabotage einen Akt im Rahmen des militärischen Konflikts zwischen Kiew und Moskau.
Insgesamt sollen deutsche Ermittler inzwischen sechs Personen als mutmasslich Beteiligte identifiziert haben. Haftbefehle liegen vor, doch die juristische Bewertung der Operation dürfte für weitere Kontroversen sorgen.