Der Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines bleibt rätselhaft – trotz vermeintlich klarer Spurenlage. Während deutsche Ermittler weiter von einem ukrainischen Kommando ausgehen, das von der Jacht «Andromeda» aus operierte, bezweifeln Geheimdienste zunehmend diese Version. Das berichtet die Zeitung Die Welt.
Die «Andromeda», heute unter dem Namen «Arctic Wisdom» in norwegischen Gewässern unterwegs, galt als zentrales Beweisstück. DNA-Spuren und Sprengstoffreste wurden gesichert, gegen mindestens einen ukrainischen Verdächtigen wurde ein Haftbefehl erlassen. Doch Ex-BND-Chef Gerhard Schindler warnt: «Wenn Ermittlungen zu einfach sind, dann muss man zweifeln.»
Swedish Coast Guard via AP, File
Besonders stutzig macht Beobachter die Vielzahl offener Fragen: Warum wurde die Jacht in Deutschland gechartert, wenn angeblich Polen beteiligt war? Warum war der verdächtige Tauchlehrer Wolodymyr S. trotz europäischem Haftbefehl nicht im Schengen-System vermerkt – und konnte ungehindert in die Ukraine ausreisen?
Zudem existiert laut Welt ein polnisches Geheimdienstdokument mit Hinweisen auf eine russische Täterschaft. In Warschau und Berlin wird mittlerweile auch diskutiert, ob die Ukraine lediglich als Sündenbock dient. «Eine Sprengung in dieser Dimension ist ohne Geheimdienste kaum machbar», sagt ein polnischer Experte. Und: Der Nutzen für Kiew sei zweifelhaft – die Pipelines waren zum Tatzeitpunkt nicht in Betrieb.
Die Ermittlungen laufen offiziell weiter.