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No-Go einer NGO: Britische Hilfsorganisation hetzt mit Fake-Zahlen gegen Superreiche – pünktlich zum WEF

Jeweils pünktlich zum WEF-Beginn in Davos publiziert Oxfam, ein in Grossbritannien domizilierter internationaler Verbund von Hilfs- und Entwicklungshilfe-Organisationen, seine jährliche Studie über die globale Vermögensverteilung. Mit der Zählung der Milliardäre weltweit und Schätzungen ihrer Vermögenszuwächse wird versucht, Neid und Schuldgefühle zu wecken.

© KEYSTONE / MICHAEL BUHOLZER
Klaas Knot, President of the Central Bank of the Netherlands
© KEYSTONE / MICHAEL BUHOLZER

Um die Verwerflichkeit des Reichseins noch zu steigern, werden die Superreichen auch noch als grösste Pro-Kopf-Umweltverschmutzer der Welt und im neusten Bericht sogar als Neokolonialisten gebrandmarkt. Mit Pauschalvorwürfen – wie der Behauptung, dass 60 Prozent des Reichtums der Superreichen aus Erbschaften (36 Prozent), Vetternwirtschaft (6 Prozent), Korruption und Monopolmacht (18 Prozent) stammen – will Oxfam diesmal wohl das Terrain für Kompensations-Zahlungen für Plünderungen der Kolonien durch westliche Länder ebnen.

Oxfam verkündet zwar Transparenz über seine Tätigkeiten, aber über seine Financiers im Hintergrund wird nur oberflächlich berichtet. Immerhin kann aus dem Jahresbericht 2022/2023 entnommen werden, dass rund 41 Prozent der Einnahmen von 977 Millionen Pfund von institutionellen Geldgebern wie der Uno, der EU, nationalen Regierungen und deren Agenturen sowie von NGOs stammen. Davon werden nur 74 Prozent für die Entwicklungs- und humanitäre Hilfe verwendet. 11 Prozent verschlingt das Influencing, und weitere 15 Prozent gehen für das «Programm-Management» drauf. Das sind immerhin rund 250 Millionen Pfund.

Bei seiner Gründung während des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1942 versuchte das Oxford Committee for Famine Relief, die Hungersnot in Griechenland zu lindern, die von den deutschen Besatzern verursacht worden war. Nach Kriegsende engagierte sich die Organisation in Deutschland. Seit Ende der 1950er Jahre widmet sich Oxfam der Armutsbekämpfung in ehemaligen Kolonien und anderen armen Ländern.

Gemäss Oxfam sollen die Vermögen der Milliardäre 2024 um 2000 Milliarden US-Dollar auf rund 15.000 Milliarden zugenommen haben. Die Zahl der Milliardäre sei um 204 auf 2769 angestiegen. Dies sei der zweitstärkste Anstieg seit Beginn der Datenerhebung. Dennoch liegen die Vermögen nicht höher als 2020, weil es zwischenzeitlich zu Rückschlägen kam. Die Vermögen der reichsten zehn Milliardäre wuchsen 2024 um durchschnittlich 100 Millionen pro Tag. Wenn sich der Trend fortsetze, werde es in zehn Jahren rund zehn Trillionäre geben, Leute mit je über 1000 Milliarden Vermögen.

Oxfam stützt sich dabei offensichtlich auf die Reichenliste von Forbes. Auf dieser findet man derzeit auch 41 Milliardäre aus der Schweiz mit einem Gesamtvermögen von 217 Milliarden. Nicht wenige dieser Schätzungen erscheinen übertrieben, da sie im Wesentlich auf Hochrechnungen der Börsenbeteiligungen oder nicht nachvollziehbaren Schätzungen anderer Vermögensteile basieren.

Obwohl die Milliardenbeträge als Netto-Vermögen bezeichnet werden, dürften Schulden kaum berücksichtigt sein. In Deutschland sollen 122 Milliardäre mit einem Vermögen von 620 Milliarden, in Österreich deren acht mit 70 Milliarden, in den USA 814 mit 6798 Milliarden, in China 396 mit 1435 Milliarden und in Indien 210 mit 958 Milliarden Vermögen domiziliert sein.

Andererseits habe sich die Zahl der in Armut lebenden Menschen seit 1990 kaum verändert. Die Definition von Armut ist dabei eine fragliche Grösse, denn in vielen Entwicklungsländern geht ein Grossteil der Wirtschaftsaktivität am Markt vorbei, so dass diese Wertschöpfung nicht in das statistische Bruttosozialprodukt eingeht. In einer Rangierung nach Vermögen und Einkommen wird es immer einen Anteil geben, der am Ende der Skala steht. Wichtiger ist jedoch, dass das Niveau insgesamt ansteigt, was weltweit geschehen ist – insbesondere im bevölkerungsreichen China. Viele Ideologen verdrängen auch, dass es innerhalb der Vermögens- und Einkommensklassen laufende Auf- und Absteiger in beträchtlichem Ausmass gibt. Dies zeigen detaillierte Statistiken für die USA.

2023 seien erstmals mehr Milliardäre durch Erbschaft entstanden als durch Unternehmertum. Dem reichsten Prozent im globalen Norden seien 2023 rund 263 Milliarden aus dem globalen Süden zugeflossen, über 30 Millionen pro Stunde. Und dann wurde noch «berechnet», dass zwischen 1765 und 1900 fast 34.000 Milliarden Dollar aus Indien an die reichsten zehn Leute in Grossbritannien geflossen seien. Seltsam, der US-Dollar ist erst seit 1792 offizielles Zahlungsmittel der USA, und über die Vermögen der Briten vor 1900 liegen wohl keine glaubhaften Zahlen vor. Die mehrheitliche Herkunft der Studien-Verfasser (Indien, Kenia, Nicaragua und Syrien) aus Entwicklungsländern mag einige dieser hochstilisierten Vorwürfe erklären.

Wenn die Börsenwerte von Aktien steigen, bedeutet dies noch lange nicht, dass den Besitzern Gelder im Umfang der Kurssteigerungen zufliessen. Zudem bezahlen die Unternehmen Steuern auf den Gewinnen, aber auch Mehrwertsteuern und andere staatliche Abgaben. Wenn aus dem Gewinn Dividenden ausgeschüttet werden, müssen diese erneut versteuert werden, und vielerorts bestehen heute schon Vermögens- und Erbschaftssteuern. Diese Vermögen liegen auch nicht in irgendwelchen Schatullen in den Privatvillen der angeprangerten Reichen, sondern sind in Beteiligungen und Krediten an Unternehmen, in gemeinnützigen Stiftungen, Immobilien für Dritte, Kunst oder in Staatsanleihen angelegt. Damit werden Millionen von Arbeitsplätzen, Innovation, Ausbildung von Arbeitskräften, Kultur aber auch die Regierungen finanziert.

Seit 1910 hat das Verhältnis der Einkommen der top 10 Prozent zu den bottom 50 Prozent nicht zugenommen, sondern ist von 41 Mal auf 38 Mal zurückgekommen. Der Gipfel wurde gemäss Oxfam im Jahr 1980 mit 53 Mal erreicht. Um dennoch behaupten zu können, die Kluft habe sich geöffnet, vergleicht Oxfam die heutige «Ungleichheit» mit der Kolonialzeit von 1910, mit Daten, die, wenn überhaupt vorhandeln, als alles andere als zuverlässig gelten.

Der Abzug von Geldern aus dem Süden in Form von Zinszahlungen, Rückführung von Unternehmensgewinnen und vermuteter Steuervermeidung wird dargestellt, wie wenn es sich um Unrecht handeln würde. Eine Gegenrechnung mit eingebrachtem Know-how und den geschaffenen Arbeitsplätzen in diesen Ländern, die Entwicklungshilfe, die Transfers von Fremdarbeitern in ihre Heimatländer etc. werden mit keinem Wort erwähnt.

Und wie nicht anders zu erwarten, endet der Bericht mit den üblichen Forderungen, denen sich Oxfam verschrieben hat. Die Ungleichheit müsse radikal reduziert und der Stimmenanteil des globalen Südens in den internationalen Gremien substanziell erhöht werden. Zur Eindämmung der Ungleichheit müsse ein internationales Steuerregime mit einer Reichensteuer eingeführt werden.

In ihren Leitsätzen fordert Oxfam zudem eine Kapitaltransaktionssteuer. Der Rassismus müsse beendet werden und für die Untaten während der Kolonialzeit seien Entschuldigungen und finanzielle Kompensationen fällig. Monopole und der Patentschutz müssten abgeschafft, Steueroasen trockengelegt, Gewerkschaften staatlich unterstützt und Mindestlöhne weltweit eingeführt werden.

Fazit: Eine simple Auswertung der Reichenliste von Forbes, deren Zahlen in vielen Fällen einer Realitätsprüfung nicht standhalten würden, um daraus politische Forderungen abzuleiten, ist reine Polemik und verdient keine Unterstützung mit Steuergeldern.

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