Der Weg an eine britische Universität war selten so einfach wie heute. Dank des sogenannten Clearing-Verfahrens landen inzwischen jedes Jahr Tausende Studierende an renommierten Hochschulen – selbst mit Noten, die früher kaum für einen Studienplatz gereicht hätten. Das britische Magazin The Spectator berichtet von einem regelrechten Paradigmenwechsel in der Zulassungspraxis.
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Clearing war ursprünglich als Auffangnetz für Studienbewerber gedacht, die ihre angestrebten Noten nicht erreicht hatten. Inzwischen hat sich das Verfahren jedoch zu einer Alternativroute in Richtung Top-Unis wie King’s College London, Leeds oder Bristol entwickelt. Laut dem Bericht werden Plätze in wachsender Zahl für Bewerber vergeben, deren Leistungen teilweise deutlich unter den Anforderungen liegen. Ein Student, der mit BBC statt AAA abschloss, wurde etwa für ein kombiniertes Wirtschaftsstudium aufgenommen.
Der Hintergrund ist ökonomisch: Die Einnahmen aus Studiengebühren sinken, während internationale Studierende – die oft das Vierfache zahlen – seit dem Brexit weniger werden. Folge: Selbst angesehene Universitäten wie Durham oder Exeter öffnen ihre Türen weiter als je zuvor. 2023 waren an den Universitäten der renommierten Russell Group 3500 Studiengänge im Clearing verfügbar – ein Anstieg von über 25 Prozent im Jahresvergleich.
Viele nutzen diese Lücke gezielt aus. Wer eine Hauptbewerbung nicht schafft, meldet sich einfach für einen weniger beliebten Kombi-Studiengang oder ein Fach mit geringer Nachfrage – etwa moderne Fremdsprachen. Ein Student wurde laut Spectator für Spanisch zugelassen, obwohl er in dem Fach nur die Note C vorweisen konnte.