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Nichts geht mehr: Frankreich heizt die Kernschmelze des Euro-Systems an

Rien ne va plus. Nichts geht mehr.

Frankreich ist dort, wo alle ahnten, dass es landen würde: in einer Staatskrise, die nicht nur Paris erschüttert, sondern Europa und die ganze Finanzwelt ins Wanken bringt. Die Abgeordneten in der Nationalversammlung haben Premier François Bayrou das Vertrauen entzogen. Sein Versuch, mit einem harten Sparpaket die Ketten der Überschuldung zu sprengen, endete im politischen Absturz. Für Emmanuel Macron bedeutet das: Der Präsident muss seinen vierten Premierminister in nur zwei Jahren ernennen. Ein politischer Offenbarungseid.

Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved
French President Emmanuel Macron, right, welcomes European Commission President Ursula von der Leyen during arrivals for a summit on Ukraine at the Elysee Palace, in Paris, France, Thursday, Sept
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Dabei sind Frankreichs Finanzzahlen nicht nur eine Zumutung für die eigenen Bürger, sondern eine Katastrophe für die gesamte EU: 116 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung, das sind 3,3 Billionen Euro Staatsschulden. Die absolute Zahl ist mehr, als jedes andere Land im Euro-Raum auf die Schuldenwaage bringt. Noch gravierender: Frankreich zahlt inzwischen höhere Zinsen als Griechenland. Ein historischer Tabubruch.

Das Vertrauen der Investoren ist tief erschüttert. Die Renditen für französische Anleihen schiessen in die Höhe. Allein die Zinslast frisst sich in nie gekannte Dimensionen: 67 Milliarden Euro jährlich – Tendenz steil nach oben. Bis Ende des Jahrzehnts könnten es 100 Milliarden werden. Das ist mehr als Frankreich für sein gesamtes Bildungswesen ausgibt.

Und Frankreich ist nicht irgendein Land. Es ist die zweitgrösste Volkswirtschaft Europas, es gehört zum Rückgrat der Euro-Zone. Wenn Paris wankt, bebt der Kontinent. Schon jetzt fürchten Investoren, dass das Kartenhaus Euro vom französischen Sturm hinweggefegt wird. Die Konsequenz wäre eine Lawine: sinkende Bonität der Länder im Euroraum, erzwungene Verkäufe von Anleihen, steigende Zinsen für alle, Banken unter Druck, Staaten an der Abrisskante. Ein Brandherd, der nicht in Athen anfängt und wie 2010 von der Europäischen Zentralbank gelöscht werden kann, sondern der sich vom Herzen Europas wie ein Lauffeuer ausbreitet. Als Griechenland wankte, half ein beherztes «Whatever it takes» von Mario Draghi. Heute reicht das nicht mehr.

Die EZB muss im Zweifel eingreifen mit einer Wucht, die alles Bisherige übertrifft: unbegrenzte Anleihekäufe, Liquidität ohne Grenzen, Milliarden, die auf den Märkten verteilt werden, um Vertrauen zu kaufen. Doch was kostet es am Ende? Inflation, Glaubwürdigkeit, die politische Unabhängigkeit der Notenbank. Frankreich ist kein Randstaat – es ist der Kern. Und wir erleben die Kernschmelze.

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