Im Deutschen Bundestag ist ein Streit über die Ursachen zunehmender Gewalt an Schulen entbrannt, wobei Saskia Esken einen Zusammenhang mit Migration klar zurückweist. «Nicht Migration ist das Problem an unseren Schulen», sagte die ehemalige SPD-Vorsitzende in der Debatte.
Esken begründete ihre Position ausführlich: Gewalt entstehe dort, wo Kinder und Jugendliche «weder zu Hause noch in der Schule andere Wege kennenlernen, ihre Gefühle zu regulieren und Konflikte auszutragen». Schule sei «keine selbst gewählte, sondern eine zusammengewürfelte, eine quasi erzwungene Gemeinschaft», in der «vieles ausgehandelt werden» müsse. Wer die Ursachen einseitig der Zuwanderung zuschreibe, verkenne die tatsächlichen Entstehungsbedingungen von Gewalt.
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Eine Zwischenfrage aus der AfD liess Esken nicht zu. In der anschliessenden Kurzintervention warf Beatrix von Storch ihr vor, Migration bewusst auszublenden, und verwies auf entsprechende Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz. Esken konterte scharf: «Frau Storch, ich bin sicher, dass der Bundeskanzler Merz die Unterstützung von Ihrer Seite nicht notwendig hat.»
Zugleich betonte sie, Gewalt habe insgesamt in der Gesellschaft zugenommen. Die AfD kritisierte sie direkt: Die Partei sei «überhaupt nicht in der Lage, mit Studien und Statistiken korrekt umzugehen». Damit stellte Esken die Datenbasis und Argumentation der Opposition grundsätzlich in Frage.
Auslöser der Debatte waren Anträge der AfD-Fraktion, die eine systematischere Erfassung von Gewalt sowie Massnahmen gegen religiöses Mobbing fordert. Fraktionsvertreter verweisen auf mehr als 94.000 registrierte Straftaten an Schulen im Jahr 2024, darunter auch Messerangriffe, und stellen einen direkten Bezug zur Migration her. Die beiden Anträge wurden nach erster Beratung zur weiteren Behandlung in die zuständigen Ausschüsse überwiesen. Eine Entscheidung steht noch aus.