Altkanzler Gerhard Schröder hat in einem Gastbeitrag für die Berliner Zeitung vor einer «Dämonisierung Russlands» gewarnt und zu mehr diplomatischen Initiativen im Ukraine-Krieg aufgerufen. Zwar bezeichnete der frühere SPD-Politiker den russischen Angriff als «völkerrechtswidrig» und «eine Verletzung der Menschenrechte», mahnte aber zugleich, Russland dürfe nicht zum «ewigen Feind» erklärt werden.
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«Russland, das ist nicht das Land der Barbaren, sondern ein Land mit einer grossen Kultur und vielfältigen historischen Verbindungen zu Deutschland», schrieb der 81-Jährige. Es bleibe eine «deutsche Schande», dass Russland in zwei Weltkriegen von Deutschland überfallen worden sei. Kritiker verweisen darauf, dass Schröder dabei die hohen Opferzahlen der Ukraine unerwähnt liess.
Der Altkanzler forderte eine Rückkehr zu «Friedensfähigkeit» statt militärischem Denken. Deutschland und Europa bräuchten in erster Linie «Friedensfähigkeit», betonte er. Schröder verteidigte in diesem Zusammenhang seine frühere Energiepolitik: «Wir brauchen derartige Formen der Kooperation mit Russland», so der frühere Regierungschef.
Zugleich übte er scharfe Kritik an der Europäischen Union und den USA. Washington und Moskau verhandelten über den Kopf der EU hinweg über die Zukunft der Ukraine, während Europa «die Kosten des Krieges bezahlen» müsse.