Nach dem Kabinettsbeschluss zum neuen Wehrdienst bereiten sich Friedensorganisationen auf einen Ansturm vor. Die Deutsche Friedensgesellschaft empfiehlt laut der Zeitung Welt seit letzter Woche allen jungen Männern, insbesondere Jahrgang 2010 und jünger, vorsorglich einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung zu stellen. Denn ab Januar 2026 müssen erste Jahrgänge einen Fragebogen zur Wehrtauglichkeit ausfüllen, ab 2027 können junge Männer dann zur Musterung einberufen werden.
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Bislang lautete die Strategie, sich ruhig zu verhalten, um nicht gemustert zu werden. Jetzt rät man zur Offensive. Der politische Geschäftsführer der Friedensgesellschaft, Michael Schulze von Glasser, erklärt, dass sich die Situation grundlegend geändert habe. Junge Männer sollen sich aktiv um den Status als Verweigerer bemühen, bevor die Bundeswehr sie registriert. Kriegsdienstverweigerung ist in Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes als individuelles Grundrecht verankert. Es erlaubt, den Dienst an der Waffe aus Gewissensgründen abzulehnen.
Tatsächlich schnellen die Zahlen in die Höhe. Im ersten Halbjahr 2025 gingen bereits 1363 Verweigerungsanträge ein. Im ganzen Jahr 2022 waren es noch 951. Die evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung verzeichnete schon 2023 ein Plus von über 30 Prozent bei den Beratungsanfragen. Die Website der Friedensgesellschaft verzeichnete allein im August über 54.000 Zugriffe, im Mai waren es noch rund 35.000.