Das Schweizer Fernsehen muss den Übergang ins digitale Zeitalter schaffen, weil immer weniger Leute brav zu einer bestimmten Zeit vor dem Bildschirm sitzen. Die kopflose Schaffung von über 150 Kanälen auf allen möglichen Plattformen ist dafür nicht die Lösung.
Ausserdem muss sich SRF der Konkurrenz durch die wachsende Zahl an Streaming-Anbietern entgegenstemmen und das Publikum, das im Schnitt über sechzig Jahre alt ist, deutlich verjüngen.
Christian Beutler/Keystone
Das ist die Aufgabe, und der Verwaltungsrat der SRG nimmt sie offenbar ernst. Das zeigt die Wahl von Roger Elsener zum neuen SRF-Direktor.
Über zehn Jahre hat der 47-Jährige als Geschäftsführer der CH Media Entertainment das Privat-TV-Angebot vorangetrieben, durchaus mit Erfolg. Dazu gehörten auch Kooperationen mit privaten Unternehmen wie Sunrise.
Seit 2024 war er CEO von Zattoo, dem Pionier des Internet-TV-Streamings im deutschsprachigen Raum. Dazu kommen frühere Tätigkeiten bei 3+ oder auch bei Viacom, zu der unter anderem MTV, Viva und Nickelodeon gehören.
Elsener ist also ein Mann der privaten Medien. Er denkt konsequent in digitalen Kategorien, gilt als entscheidungsfreudig und ist als Medienökonom zahlenorientiert.
Das ist es, was SRF derzeit braucht. Kein im SRG-Kosmos aufgewachsener Journalist, der sich in Diskussionen über Details verheddert, sondern der die grossen Linien an die neue Realität anpasst.
Das ist auch eine gute Voraussetzung für ein schlankeres Schweizer Fernsehen. Denn Elsener konnte sich nie ausschliesslich auf sowieso fliessende Gebühren verlassen, sondern musste seine bisherigen Unternehmen auf Effizienz und Produktivität trimmen.
Nun ist nur zu hoffen, dass Roger Elsener in seinem neuen Amt kein einsamer Rufer in der Wüste bleibt, sondern seine Expertise auch umsetzen kann. Mit einer Leine, die lang genug ist.