Eine universelle Betreuung ab Geburt könne Kindern eher schaden als nützen, berichtet der Economist. Besonders betroffen seien ihre emotionale Entwicklung, soziale Fähigkeiten und langfristige Lebenszufriedenheit.
Während immer mehr Bundesstaaten – zuletzt New Mexico und bald auch New York – kostenfreie Betreuung ab der sechsten Lebenswoche einführen, zeigt der Blick nach Kanada die Risiken. Eine Studie zur Einführung eines stark subventionierten Ganztags-Krippenprogramms in Quebec ergab: Kinder zeigten signifikant höhere Raten von Ängsten, Hyperaktivität und aggressivem Verhalten. Die Kriminalität unter Jugendlichen stieg ebenfalls an.
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Wissenschaftler führen dies auf mangelnde Qualität in der flächendeckenden Umsetzung zurück. Anders als im oft zitierten «Perry Preschool Project» der 1960er-Jahre – das armen Kindern in kleinen Gruppen gezielte Frühförderung bot – habe Quebec versucht, ein hochkomplexes Modell zum Discountpreis auszurollen.
Auch in Frankreich oder Neuseeland zeigen neuere Studien: Bei Kindern unter drei Jahren ist intensive Betreuung durch Bezugspersonen entscheidend. Grosse Gruppen mit wechselnden Fachkräften schaden tendenziell eher. Selbst in Ländern mit gutem Betreuungssystem – etwa Finnland – wirkte sich die Qualität direkt auf kindliche Entwicklung aus.
Zwar belegen mehrere Studien positive Effekte früher Bildung für Kinder ab drei Jahren, insbesondere aus ärmeren Haushalten. Doch die Ausweitung auf universelle Krippenplätze ab Geburt bleibt umstritten. «Universal preschool erscheint sinnvoll», sagt Ökonom Gruber. «Universelle Betreuung ab Geburt ist weitaus heikler.»