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Neue Gifte, alte Geschichte: Für keinen der angeblichen Giftmorde Russlands an Kritikern gibt es Beweise – auch nicht bei Alexei Nawalny

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Neue Gifte, alte Geschichte: Für keinen der angeblichen Giftmorde Russlands an Kritikern gibt es Beweise – auch nicht bei Alexei Nawalny
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Die Farce um die Vergiftung Nawalnys geht weiter. Am 14. Februar, anlässlich der Münchner Sicherheitskonferenz, hielten es fünf europäische Länder – Schweden, Frankreich, Britannien, Deutschland und die Niederlande – für dringend notwendig, zu verkünden, sie seien «sicher», dass Russland den russischen Dissidenten mit einem tödlichen Gift aus einem ecuadorianischen Frosch vergiftet habe. Die europäischen Medien reagierten sofort mit Schlagzeilen und empörten Kommentaren. Dann, nur zwei Tage später, nichts mehr.

Laurens Niezen/EPA/Keystone
Gedenken an Alexei Nawalny: Menschen legen am 16. Februar 2026 auf dem Frederiksplein in Amsterdam Blumen nieder.
Laurens Niezen/EPA/Keystone

So verbreiten sich Informationen in unseren hochdemokratischen Ländern. Eine rundum gelungene Kommunikationskampagne – offizielle Erklärungen, sofort mobilisierte Presseagenturen und Medien, Netzwerke bezahlter Experten zur Unterstützung – und schon kann eine gute Kampagne zur Desinformation der Öffentlichkeit starten.

Denn der am meisten Desinformierte in dieser Angelegenheit ist nicht der arme Alexei Nawalny – möge seine Seele in Frieden ruhen –, sondern unsere öffentliche Meinung.

Es stimmt, dass das Szenario der russischen Vergiftungen gut eingespielt ist. Während des Kalten Krieges hatten wir den bulgarischen Regenschirm. 1978 soll der bulgarische Dissident Georgi Markov in London mit einer als Regenschirm getarnten Pistole ermordet worden sein, die eine Ricin-Kapsel in den Oberschenkel des Opfers schoss. Eine Geschichte, die den besten James-Bond-Filmen würdig ist und damals für viel Aufsehen sorgte, aber nie bewiesen werden konnte. Nach 35 Jahren Ermittlungen wurde der Fall 2013 zu den Akten gelegt, ohne dass «konkrete Massnahmen» gegen irgendjemanden ergriffen worden wären.

In den 2000er Jahren änderte sich die Kulisse, aber nicht das Drehbuch. Im November 2006 soll eine hoch radioaktive tödliche Substanz, Polonium 210, den ehemaligen russischen Spion Alexander Litvinenko vergiftet und das Leben von 33.000 Passagieren am Flughafen Heathrow gefährdet haben, nachdem sie in zwei Flugzeugen gefunden worden war. Im Jahr 2016, zehn Jahre später, kam die Untersuchung zu dem Schluss, dass der Überläufer «höchstwahrscheinlich im Rahmen einer Sonderoperation des FSB getötet wurde, zweifellos mit der Genehmigung seines Direktors und des russischen Präsidenten». Ich überlasse es Ihnen, die Stichhaltigkeit der Beweise und der Argumentation zu beurteilen.

Hinter den Kulissen agiert der berühmte Christopher Steele, der MI6-Agent, der im selben Jahr den Russian-Gate-Skandal gegen Donald Trump auslöste und 2018 die Ermittlungen im Fall Skripal leitete. Es sei auch angemerkt, dass all diese Vergiftungsfälle nur wenige Kilometer vom grossen britischen Forschungszentrum für chemische und biologische Waffen in Porton Down entfernt stattfanden, wo übrigens auch ein gewisser Herr Skripal arbeitete.

Er stand im Mittelpunkt eines Skandals vom März 2018. Die offenbar unermüdlichen Russen sollen Sergei Skripal, einen nach Britannien geflüchteten, ehemaligen Offizier des russischen Militärgeheimdienstes und seine Tochter Julia mit Nowitschok vergiftet haben, einem Nervengift, das so stark ist, dass schon wenige Mikrogramm ausreichen, um einen Menschen sofort zu töten. Diese mutmassliche Vergiftung hielt die westlichen Medien monatelang in Atem und führte zur Ausweisung von Dutzenden Diplomaten und einer Flut von Sanktionen gegen Russland. Die Versionen gingen weit auseinander, da das Gift mal auf einem Türgriff, mal auf einer Parkbank gefunden worden sein soll. Aber zum Teufel mit den Details!

Das Ergebnis: Im Mai wurden die beiden Opfer unversehrt aus dem Krankenhaus entlassen und sofort den Fragen der Journalisten entzogen, um an einen geheimen Ort gebracht zu werden, den sie bis heute nicht verlassen haben. Das Wunder der Heilung ist für Vater und Tochter Skripal geschehen – eine Chance von eins zu einer Million, lebend davonzukommen, wie ein «renommierter Experte für chemische Waffen» anonym erklärte.

Aber das einzige echte Opfer dieser Angelegenheit wird dieses Glück nicht haben. Ende Juni stirbt eine Frau, die sich versehentlich ihr Handgelenk mit einem Parfüm eingerieben hatte, das sie zufällig in einem Mülleimer gefunden hatte, das jedoch zuvor mit Nowitschok vergiftet worden war. Der Vater der Unglücklichen reichte Klage gegen die britische (und nicht gegen die russische) Regierung ein. Natürlich ohne Erfolg. Bis heute ist über diesen Fall nichts weiter bekannt.

Nach Ricin, Polonium und Nowitschok ist nun Epibatidin an der Reihe, eine Substanz, die aus dem amazonischen Frosch Epipedobates tricolor gewonnen wird.

Aber erinnern wir uns zunächst daran, dass Alexei Nawalny im Sommer 2020 angeblich ein erstes Mal mit Nowitschok vergiftet worden war. Er fiel während eines Rückflugs nach Moskau ins Koma und wurde in Omsk ins Krankenhaus eingeliefert, bevor er nach Berlin verlegt wurde. Sofort kursierten Vermutungen über eine Vergiftung. Zunächst wurde ein Flughafenmitarbeiter beschuldigt, den Tee vergiftet zu haben, den er vor dem Abflug getrunken hatte. Als diese These sich nicht bestätigen liess, behauptete man, Spuren von Nowitschok in seiner Unterhose gefunden zu haben. Und schliesslich, mangels überzeugender Beweise, behauptete man, dass FSB-Agenten Nowitschok in Mineralwasserflaschen injiziert hätten, die in seinem Hotelzimmer deponiert worden waren. Das Berliner Krankenhaus, in das der Dissident von denselben Russen gebracht wurde, die angeblich seinen Tod wollten, veröffentlichte einen Bericht, der so extrem vorsichtig formuliert war, dass man daraus keine Schlussfolgerungen ziehen konnte.

Das spielt jedoch keine Rolle, da es letztendlich ein ecuadorianischer Frosch war, der Nawalny das Leben gekostet hat. Die Beweise sind nach wie vor unklar. Wissenschaftliche Analysen wurden nicht vorgelegt. Man weiss nicht, wer sie durchgeführt hat. Und aus einem Interview mit Navalnys Witwe erfahren wir, dass die Proben heimlich von seinem Körper entnommen worden sein sollen, als er noch im Gefängnis lag, und dass sie heimlich aus Russland herausgeschmuggelt worden sein sollen ... um zwei Jahre später wie durch Zauberhand bei einer Pressekonferenz in München wieder aufzutauchen.

Selbst Marco Rubio schien sich von dieser Aktion zu distanzieren, indem er sich mit einer zweideutigen Erklärung begnügte, in der er sagte, der europäische Bericht sei «beunruhigend und er habe keinen Grund, daran zu zweifeln». Wir kennen den US-Aussenminister als viel kämpferischer, wenn es darum geht, Kuba oder den Iran anzugreifen. Die New York Times, die normalerweise so wortreich ist, wenn es darum geht, Putin anzuprangern, hat die Nachricht in einem halben Dutzend karger Absätze abgehandelt.
Ziehen Sie Ihre eigenen Schlussfolgerungen, aber was mich betrifft, so bleibe ich auf der Hut, wenn Unglaubwürdigkeit und Abenteuerlichkeit so konsequent miteinander konkurrieren. Ich warte gespannt auf die nächste Folge.

Guy Mettan ist Journalist und Grossrat des Kantons Genf (früher CVP, heute SVP). Er war Chefredaktor der Tribune de Genève und ist Autor des Buchs «Russie–Occident – Une guerre de mille ans».

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