Hände weg von regime changes! Unter keinen Umständen sollten sich die USA in ein langwieriges nation building herzeinziehen lassen.
Das waren die bekannten aussenpolitischen Grundsätze Trumps.
Doch jetzt hat er das eine getan, und das andere hat er an der Hand. «Wir werden das Land so lange regieren, bis wir einen sicheren, ordnungsgemässen und vernünftigen Übergang gewährleisten können», sagte Trump, nachdem US-Truppen Nicolás Maduro gestürzt hatten.
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Die Intervention in Venezuela markiert eine Wende in Trumps Aussenpolitik. Er hat sich stets von Interventionisten distanziert. Und von den Neocons – den republikanischen «Neokonservativen». Sein Panthersprung auf Caracas weist nun aber auffällige Ähnlichkeiten mit den verpönten «Kriegsgurgeln» auf.
1983 liess Präsident Ronald Reagan GIs in Grenada einmarschieren. Die dortige Regierung sei «illegitim». Das Gleiche sagt Trump nun über Maduro.
1989 liess George Bush senior in Panama Diktator Noriega stürzen. Er hat ihm Drogenhandel vorgeworfen. Den gleichen Vorwurf machte Trump nun für seine Intervention gegen Maduro geltend.
«Hände weg von neuen Kriegen!» Von militärischen Abenteuern, die rasch zu teuren Katastrophen mit hohem Blutzoll unter eigenen Soldaten entgleisen können.
Dieses langjährige Credo hat Trump bei der Amtseinführung in seine zweite Präsidentschaft bekräftigt: «Wir werden unseren Erfolg nicht nur an den Schlachten messen, die wir gewinnen, sondern auch an den Kriegen, die wir beenden, und vielleicht am wichtigsten, an den Kriegen, in die wir nie verwickelt werden.»
Mit dem Angriff auf Venezuela wagt Trump ein riskantes Spiel. Die Extraktion von Diktator Maduro ging offenbar reibungslos nach Plan. Doch der Härtetest folgt.
Trump übernimmt die Verantwortung für die unmittelbare Zukunft des Landes. Was das heisst, weiss niemand.
An einer ersten Pressekonferenz nach der Intervention blieb Trump vage. Keine Angaben darüber, wie weit er gehen würde, um die Kontrolle in dem Land zu erlangen, wo Maduros engste Vertraute zur Stunde offenbar noch immer an der Macht waren.
Trump liess die Möglichkeit weiterer militärischer Operationen offen, auch von boots on the ground – einer Bodenoffensive.
Gewiss indes sind die Irritationen unter seinen Anhängern an der Maga-Basis. «Das ist es, was viele Maga-Anhänger mit ihrer Stimme beenden wollten. Mann, haben wir uns geirrt», kommentierte die rechtskonservative US-Abgeordnete Marjorie Taylor Greene die Venezuela-Aktion. Trump sei von seiner «America First»-Politik abgeschweift.
Umfragen zeigen, dass Greene mit ihrer Kritik nicht allein steht. Laut einer Erhebung von Reuters/Ipsos vom November befürwortete nur etwa jeder fünfte Amerikaner den Einsatz von Gewalt, um Maduro zu stürzen.
Die Militäroperation steht im Widerspruch zu den Hoffnungen vieler Republikaner. Sie wünschen sich, dass sich der Präsident stärker auf die innenpolitischen Anliegen konzentriert – Gesundheitsversorgung, die Wirtschaft, bezahlbaren Wohnraum.
Bleibt die Lage in Venezuela ruhig und gelingt der Übergang zu einer neuen Regierung rasch, kann Trump einen weiteren, wichtigen Erfolg verbuchen und seine Popularität steigern.
Zieht sich die Operation hin, gefährdet er nicht nur einen Erfolg der Republikaner bei den Zwischenwahlen. Sondern auch Menschenleben seiner Landsleute, die er gelobt, um jeden Preis zu schützen.