Estland signalisiert Bereitschaft, künftig auch alliierte Kampfjets mit Nuklearwaffen auf seinem Territorium zuzulassen. Verteidigungsminister Hanno Pevkur erklärte der Zeitung Postimees: «Natürlich sind wir bereit, unsere Verbündeten aufzunehmen.» Und zwar unabhängig davon, ob deren F-35-Kampfjets auch nukleare Fähigkeiten besässen.
Hintergrund ist eine Ankündigung Grossbritanniens beim Nato-Gipfel in Den Haag. Das Vereinigte Königreich will erstmals seit den 1990er Jahren wieder Kampfflugzeuge mit nuklearer Bewaffnung anschaffen – konkret zwölf F-35A-Jets, die sowohl konventionelle als auch taktische US-Atomwaffen tragen können.
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Pevkur erinnerte daran, dass F-35 bereits in Estland stationiert waren und erneut den Luftraum sichern sollen. Ein möglicher Dual-Use-Einsatz – konventionell wie nuklear – ändere an der estnischen Haltung nichts. «Unsere Position zur Aufnahme von F-35 bleibt unverändert», so der Minister.
Laut Wall Street Journal sehen sich mehrere europäische Staaten unter wachsendem Druck, ihre nukleare Abschreckung zu verstärken – insbesondere seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Neben Grossbritannien verfügt nur Frankreich über eigene Atomwaffen. Präsident Emmanuel Macron zeigte sich zuletzt offen, französische Nuklearwaffen auch in anderen EU-Staaten zu stationieren.
Auch Deutschland diskutiert über eine mögliche Ausweitung der nuklearen Teilhabe. Bundeskanzler Friedrich Merz regte Gespräche mit Grossbritannien und Frankreich an, wie deren Abschreckung künftig auch Deutschland und benachbarte Länder schützen könne.