Die Nato ist kein Bündnis gleichberechtigter Partner, sondern ein Bund von Vasallen, die ein mächtiger Anführer um sich schart: die USA und die Heloten.
Dieses Machtgefälle spiegelt die Aufgabenverteilung wider. Den militärischen Oberbefehl hat ein US-Offizier inne. Das zivile Amt des Generalsekretärs erhält als Trostpreis ein Europäer.
Zurzeit ist das Mark Rutte. Er muss den Anführer bei Laune und die Anhängsel bei der Stange halten. Das ist schon in normalen Zeiten nicht leicht, in Zeiten eines Donald Trump wird es zum Himmelfahrtskommando.
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Wenn es um Schmeicheleien geht – daddy Trump – nimmt Rutte es spielend mit Fifa-Boss Gianni Infantino auf. Doch dabei läuft er Gefahr, dass ihm die Europäer abhandenkommen.
Soeben hat er den völkerrechtswidrigen Angriff der USA auf den Iran in höchsten Tönen als «friedensstiftend» gelobt. Einen Krieg, den die meisten Europäer als nicht den ihren abgelehnt haben.
Nebenbei beleidigte er die Europäer noch. Es sei «logisch», dass die einige Wochen brauchten, bevor sie sich sortieren würden. Na, wenn das so ist. Hoffentlich hält sich ein Aggressor an diese Zeitspanne.
Unfreiwillig wird Rutte so zum Symbol eines Prozesses, der wohl unaufhaltsam ist: Die Nato zerfällt vor unseren Augen. Und vor denen Wladimir Putins und Xi Jinpings.