Martin Pfister warnt vor einer Ausweitung des Ukraine-Kriegs und vergleicht die gegenwärtige sicherheitspolitische Passivität der Schweiz mit der Situation in den 1930er Jahren. «In der ersten Hälfte des Jahrzehnts hat auch die Schweiz die Kriegsgefahr damals verdrängt», sagt der Chef des Verteidigungsdepartements (VBS), «erst in der zweiten Hälfte begann man sich vorzubereiten.»
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Der Mitte-Bundesrat will in einem Interview mit der NZZ die Schweiz, vor allem aber das zuständige Parlament in Bundesbern wachrütteln. So fehle es unter anderem an Munition. «Gerade zur Luftverteidigung braucht die Armee grössere Bestände. Leider sind unsere Reserven ungenügend.» Dass der neue VBS-Chef die Armee nach dreissig Jahren Abrüstung wieder verteidigungsfähig machen will, ist zu begrüssen.
Die Hoffnung, dass sich das VBS unter dem neuen Chef auf seine eigentliche Aufgabe zurückbesinnt, bleibt derweil vergebens. Pfister denkt seinen historischen Vergleich leider nicht zu Ende. Dann hätte er nämlich ausführen müssen, dass sich die Schweiz am Vorabend des Zweiten Weltkriegs darauf geeinigt hatte, neutral zu bleiben und die Eigenständigkeit zu verteidigen. Die bewaffnete Neutralität war ein wesentlicher Faktor, dass die Schweiz verschont blieb.
Pfister hingegen sieht die Neutralität als Nachteil. Als Nato-Nichtmitglied sei die Schweiz heute «potenziell erpressbar», sagt Pfister. Im NZZ-Interview setzt Pfister alles daran, die eigene Verwundbarkeit aufzuzeigen und dadurch die Nato-Annäherung weiterzutreiben. Eine «internationale Kooperation» müsse «so weit wie möglich» vorbereitet werden, sagt Pfister, der geschichtsvergessene Historiker.