Nach den iranischen Raketen- und Drohnenangriffen auf Ziele in den Vereinigten Arabischen Emiraten berichten in Dubai lebende Influencer und Unternehmer von staatlicher Einflussnahme und Zensur in sozialen Medien. Eine betroffene Influencerin, die anonym bleiben möchte, sagt der Zeitung Welt: «Es hat Telefonate gegeben.» Die Regierung habe klargemacht, dass für ein Angstnarrativ «kein Platz» sei, bestimmte Themen dürften öffentlich nicht stattfinden.
Planet Labs PBC/Keystone
Am Wochenende hatten iranische Streitkräfte als Reaktion auf israelisch-amerikanische Angriffe mehrere Geschosse auf Ziele in Dubai und Abu Dhabi abgefeuert. Die Luftabwehr fing zwar zahlreiche Raketen und Drohnen ab, dennoch kam es durch herabfallende Trümmer zu Explosionen und Bränden, unter anderem am Hotel «Burj al-Arab», sowie zu Infrastrukturschäden. Der Luftraum blieb vorübergehend geschlossen.
In sozialen Netzwerken dominierten zunächst Videos von Rauch über der Skyline und Berichte über Unsicherheit. Kurz darauf erschienen auffallend gleichlautende Botschaften: Die Lage sei stabil, man vertraue der Regierung, es bestehe kein Grund zur Sorge. Der Rechts- und Unternehmensberater José A. Campos Nave sagt: «Es gibt staatliche Zensur.» Viele Ausländer würden die Regeln kennen. «Man weiss, was gewünscht ist. Und wer es nicht weiss, bekommt einen bösen Anruf oder eine Vorladung.»
Rund 90 Prozent der Bevölkerung bestehen aus ausländischen Arbeitskräften. Aufenthaltsrechte sind meist an Visa gebunden, die regelmässig erneuert werden müssen. Weitgefasste Cybergesetze stellen unter anderem die «Schädigung des Ansehens des Staates» unter Strafe. Internationale Organisationen stufen die VAE als nicht frei ein.
Für Dubai ist das Image ein Standortfaktor. Das Emirat lebt von Handel, Finanzen und Tourismus – und von Influencern als günstigen Werbeträgern. Der jüngste Angriff kratzt am Bild der makellosen Sicherheit. Beobachter gehen dennoch davon aus, dass die Führung das vertraute Narrativ rasch wieder stabilisiert.