Selbst langjährige Beobachter im Bundeshaus sind sich einig: Einen derartigen Absturz einer Bundesrätin innerhalb eines Jahres hat es nur selten gegeben.
Gestartet als unangefochtene Anführerin im Bundesrat, steht Karin Keller-Sutter Ende Oktober vor den Trümmern ihrer politischen Arbeit. Das desaströse Telefonat mit Donald Trump, ein möglicherweise sechzehn Milliarden Franken teurer Fehler beim Untergang der Credit Suisse, die Fehde mit der UBS und ein von ihr aufgegleistes Sparpaket, das von allen Seiten kritisiert wird – die Liste der Pannen ist lang.
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Keller-Sutter steht mit dem Rücken zur Wand – so sehr, dass sogar die freisinnige NZZ von einem «Annus horribilis» schreibt. Eine Anspielung auf die Thronrede der britischen Königin Elisabeth II., als 1992 ihr Schloss abbrannte und die Ehe ihres Sohnes Charles zerbrach.
Die Kritik hat die FDP-Magistratin offenbar sehr erbost, wie aus dem Bundeshaus zu vernehmen ist. Die NZZ galt bislang als verlässliche Verbündete der FDP-Bundesrätin. Unzufrieden ist sie, Karin Keller-Sutter, auch mit ihrem Kommunikationschef Pascal Hollenstein, den die ehrgeizige Finanzministerin für die schlechte Presse mitverantwortlich machen soll.
Bereits kursieren erste Gerüchte über einen möglichen Rücktritt Keller-Sutters.
Hinzu kommt, dass ihr Parteikollege und Aussenminister Ignazio Cassis plötzlich Aufwind verspürt. Während Keller-Sutters Stern sinkt, fühlt sich der Tessiner offensichtlich wohl in der Rolle des überzeugten Befürworters eines EU-Vertrags. Mit seiner klaren Haltung und seinem sicheren Auftreten gewinnt Cassis zunehmend an Profil – gerade in einer Zeit, in der seine Kollegin ins Straucheln gerät.
Plötzlich scheint es denkbar, dass Keller-Sutter vor Cassis den Hut nimmt – etwas, das noch vor kurzem als völlig ausgeschlossen galt.