Fast vier Jahrzehnte nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl könnten kontaminierte Flächen in der Nordukraine bald wieder für die Landwirtschaft freigegeben werden. Das berichtet der Spiegel unter Berufung auf eine neue Studie, die in Zusammenarbeit zwischen der Universität Portsmouth und dem ukrainischen Institut für landwirtschaftliche Radiologie durchgeführt wurde.
Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved
Die Forscher nutzten ein 100 Hektar grosses Versuchsfeld in der Region Schytomyr, um die aktuelle Strahlenbelastung und ihre Auswirkungen auf Pflanzen und Menschen zu untersuchen. Das Ergebnis: Die dort gemessene effektive Strahlendosis liegt deutlich unter den nationalen Grenzwerten und sogar unter der natürlichen Hintergrundstrahlung, die weltweit vorkommt. Der sichere Anbau sei demnach möglich – ein Befund, der weitreichende Folgen für die landwirtschaftliche Nutzung bislang brachliegender Flächen haben könnte.
Das Team entwickelte zudem ein aus fünf Punkten bestehendes Bewertungsprotokoll, das künftig auch auf andere Regionen anwendbar sein soll. «Hier geht es nicht nur um Tschernobyl», zitiert der Spiegel den Studienautor Jim Smith. Ziel sei es, «auf Basis von Wissenschaft und Fakten sicherzustellen, dass Menschen geschützt sind und kein Land unnötig vergeudet wird».
Nach der Katastrophe von 1986 war das Umland in einer 4200 Quadratkilometer grossen Sperrzone für unbewohnbar erklärt worden. Ein zweites, rund 2000 Quadratkilometer grosses Gebiet blieb zwar besiedelt, wurde bislang jedoch nicht offiziell landwirtschaftlich genutzt. Die neuen Erkenntnisse könnten nun zu einer Neubewertung führen.