Geld ist gut. Vor allem wenn man es auf der Seite hat. Es besteht kein Zweifel, dass Amerika und mit ihm der US-Dollar den internationalen Markt steuert. Europa hat schon immer in treuer Gefolgschaft zu den USA gelebt. Wir kaufen und verkaufen amerikanisches Geld – beziehungsweise den amerikanischen Traum –, ohne mit der Wimper zu zucken. Den Amis kann man vertrauen.
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Erwiesenermassen bunkert China mindestens 700 Milliarden US-Dollar, nächstes Jahr werden es 400 mehr. Wieso tut Xi Jinping das? Wäre es nicht ergiebiger, dieses Geld zu investieren und damit den chinesischen Einfluss im Westen auszuweiten? Chinas Gesellschaft und Politik funktionieren nach dem Prinzip des Konfuzianismus. Der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung sagte einst hierzu: «Das Licht dieser Weisheit leuchtet nur in der Dunkelheit, nicht im elektrischen Scheinwerferlicht des europäischen Bewusstseins und Willenstheaters.»
Vielleicht wissen die Chinesen mehr als wir. Vielleicht sehen sie schon jemanden am Schalter stehen. Sie sind nicht mehr bereit, nach dem alten Reigen zu tanzen. Was passiert, wenn der US-Dollar plötzlich nichts mehr wert ist? Was heisst das für unser tägliches Showbusiness? Der Westen ist es gewohnt, der Bestimmende zu sein, sei es, was soziale, sei es was wirtschaftliche Werte angeht. Wir besitzen Privilegien, Machtpositionen und eben – Geld. Spätestens wenn wir bei null anfangen müssen, heisst es wieder: Lohn für Leistung. Denn abseits des Scheinwerferlichts offenbart sich der wahre Charakter unseres Daseins. Genau hier beginnt (Menschen-)Recht. Und Gerechtigkeit.