Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana in der Silvesternacht arbeitet das Universitätsspital Lausanne (CHUV) unter Hochdruck. Das hauseigene Zentrum für Zellproduktion hat bislang Hautgewebe für elf Brandopfer gezüchtet. Wie der Blick berichtet, wiesen die betroffenen Patienten Verbrennungen an mehr als 60 Prozent ihrer Körperoberfläche auf – eine Belastung, wie sie das Labor bisher noch nie erlebt hat.
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«Wir wurden sehr rasch angefragt, bereits am Freitag, dem 2. Januar», sagte Biologin Stéphanie Droz-Georget von der Abteilung für Zellproduktion gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Ein kleines Stück gesunder Haut eines Patienten wurde entnommen und diente als Grundlage für die Gewebezucht im Labor in Epalinges bei Lausanne. Innerhalb von zwei bis drei Wochen wächst daraus eine transplantierbare Fläche von rund 2600 Quadratzentimetern – etwa so gross wie ein menschlicher Rücken.
Streng genommen handelt es sich nicht um vollständige Haut. «Sie haben keine Poren, und auch Haare fehlen», erklärt Droz-Georget. Da das Gewebe jedoch aus körpereigenen Zellen besteht, ist das Risiko einer Abstossung minimal. Das Transplantat wird in dünnen, rechteckigen Schichten auf die betroffenen Körperstellen gelegt und kann dort dauerhaft verbleiben. Bei Bedarf ist die Behandlung wiederholbar.
Das Zentrum, das jährlich sonst nur 15 bis 25 Anfragen erhält, sieht sich mit einer aussergewöhnlichen Welle an Patienten konfrontiert. Die aktuelle Krise hat die Teams emotional stark gefordert, aber auch spontane Solidarität ausgelöst. In Europa ist das Lausanner Labor einzigartig in seiner Grösse und besitzt eine Zulassung von Swissmedic. Neben Haut können dort auch andere Zellarten wie Knorpel gezüchtet werden.