Nach dem massiven Stromausfall vom 28. April, der ganz Spanien und Portugal betraf, erhebt Lissabon schwere Vorwürfe gegen Paris. Portugals Energieministerin Maria da Graça Carvalho erklärte, Frankreich verzögere seit Jahren den Ausbau grenzüberschreitender Stromverbindungen – und gefährde damit die Energieversorgung auf der iberischen Halbinsel, berichtet die Financial Times.
CARLOS DE SAA / KEYSTONE
Laut Carvalho sind die bestehenden Leitungen zwischen Frankreich und Spanien unzureichend und stellen ein «Hindernis für den EU-Binnenmarkt» dar. Die Ministerin kündigte an, nun die EU-Kommission einzuschalten: «Das ist eine europäische Frage, kein bilaterales Problem», sagte sie. Europarecht gebe Brüssel die Möglichkeit, gegen derartige Marktbarrieren vorzugehen.
Hintergrund ist der Verdacht, dass Frankreich seine Atomstromproduktion vor günstigem spanischem Solar- und Windstrom schützen will. Paris weist die Vorwürfe zurück. Xavier Piechaczyk, Präsident des französischen Netzbetreibers RTE, betonte, dass Frankreich stets an der Stärkung der Interkonnektivität mit Spanien gearbeitet habe. Der Bau einer neuen Leitung durch die Biskaya sei im Gange und solle bis 2028 die Übertragungskapazität verdoppeln.
Gleichzeitig begrenzt Portugal derzeit selbst den Import spanischen Stroms – aus Vorsicht nach dem Blackout. Dies führte bereits zu steigenden Preisen in Portugal. Dass der Stromausfall durch die hohe Abhängigkeit von erneuerbaren Energien ausgelöst wurde, wies Spaniens Premierminister Pedro Sánchez als unbegründet zurück.