Am 11. November 2000 entfachte sich in einer Standseilbahn, welche das Tal mit dem Gletscherskigebiet des österreichischen Ferienortes Kaprun am Kitzsteinhorn erschliesst, ein Brand, der 155 Menschen das Leben kostete. Eine Hydraulikleitung war in der hinteren Fahrerkabine des Zugs gerissen, Öl tropfte dann auf einen Heizstrahler, der dort nachträglich eingebaut worden war. Das verursachte explosionsartig einen Brand. Lediglich zwölf Menschen überlebten.
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Wenn man als Reporter damals über diese Katastrophe berichtete, wie der Schreiber, stellte sich einem die Frage, ob so etwas in der Schweiz passieren könnte. Zumal wir ja bekannt sind für unsere strengen Baugesetze und Brandschutz-Vorschriften. Swiss made gilt als globales Gütezeichen für Qualität und Perfektion.
Eine deutsche Zeitung hat vor nicht zu langer Zeit einmal über die Schweiz geschrieben, dass wir das Land des Swiss finish seien, wo alles – von den Gesetzen bis zum einzelnen Zahnrädchen – ein paar Extra-Korrekturschleifen durchlaufen muss, bevor etwas damit gemacht werden könne.
Dieser Mythos ist in der Silvesternacht in einem Flammeninferno untergegangen, in dem über 40 Menschen getötet und 115 schwerverletzt wurden – der Grossteil Jugendliche, die das Leben noch vor sich hatten. Dieser vielgelobte Hang zur Perfektion und die Genauigkeit – das alles ist reiner Selbstbetrug. Auch im Eichamt der Qualität passieren fatale Fehler, das hat uns die schlimme Brandkatastrophe von Crans vor Augen geführt.
Was nützen strenge Auflagen, wenn sie nicht oder nur halbherzig umgesetzt und von den Behörden nicht kontrolliert und wo nötig beanstandet werden?
Irgendetwas hat jedenfalls nicht geklappt, irgendwer hat einen Fehler gemacht. Dann braucht es bloss noch eine Folge von zufälligen Verkettungen, dass aus einem Fest eine grosse Tragödie wird – wie in Crans-Montana.