Am 28. März 2025 wurde Südostasien und dort besonders Myanmar von einem Erdbeben heimgesucht. Zehn Tage später rief die Glückskette zu einem nationalen Solidaritätstag.
Wird eine Spendenaktion für einen bestimmten Tag angekündigt und beworben, klingeln die Kassen besonders laut. Denn die Medien, allen voran die SRG-Kanäle, beteiligen sich gern an der Verbreitung der Botschaft.
Solche Spendentage führt die Glückskette immer wieder durch. Im März 2019 war Solidarität für Jemen gefragt. Drei Jahre später wurden die Schweizer aufgefordert, für die Ukraine in die Tasche zu greifen. Und im November 2022 galt die Unterstützung Hungernden in Ostafrika.
Nun hat sich eine Katastrophe vor der eigenen Haustür ereignet. Das Walliser Dorf Blatten wurde verschüttet. Hunderte Menschen haben ihr Zuhause verloren. Aber einen nationalen Solidaritätstag soll es nicht geben.
Man verzichte, weil sich das Verhalten der Spendenden verändert habe, so die Glückskette gegenüber Nau.ch. Heute würden Spenden vor allem «online oder per Twint getätigt» und weniger per Telefon.
Die Begründung mutet seltsam an. Erstens hindert niemand die Sammelorganisation daran, an einem schweizweiten Spendentag auch auf digitale Zahlungsmöglichkeiten hinzuweisen. Und zweitens ist es egal, wie das Geld transferiert wird.
Denn entscheidend an nationalen Solidaritätstagen ist, dass damit eine möglichst grosse Öffentlichkeit erreicht wird – durch die Konzentration auf einen bestimmten Tag und die Hilfe der Medien.
Zudem: Hat sich das Spendenverhalten wirklich innerhalb von gerade mal zwei Monaten so drastisch verändert?
Im April 2025, als es um Südostasien ging, schien der Glückskette ein spezifischer Spendentag noch nötig. Im Juni 2025 im Fall von Blatten, bei der Hilfe im eigenen Land, soll es plötzlich nicht mehr sinnvoll sein?