Annalena Baerbock, die Präsidentin der Uno-Vollversammlung, hat die Vorwürfe gegen ihre Amtsführung als deutsche Aussenministerin in scharfem Ton als «totalen Quatsch» zurückgewiesen. In einem Interview mit dem Portal t-online verteidigte die Grünen-Politikerin ihre Strategie gegen den Vorwurf, eine rein «moralisierende» Politik betrieben zu haben, die deutsche Realinteressen vernachlässige.
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Baerbock betonte, dass wertebasierte Ansätze und harte Sicherheitspolitik kein Widerspruch seien; vielmehr handle es sich um «zwei Seiten der gleichen Medaille». Angesichts weitreichender Entscheidungen wie der Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine oder der Modernisierung der Nato-Strategie sei die Behauptung, es habe an machtpolitischer Substanz gefehlt, schlicht «absurd».
Hinter der anhaltenden Kritik vermutet die ehemalige Ministerin rein parteipolitische Motive – und einen tief sitzenden Sexismus. Frauen in Führungspositionen seien, so Baerbock, einer zusätzlichen Angriffsebene ausgesetzt, die bis hin zu massiven Beleidigungen in den sozialen Medien reiche. Dabei würden persönliche Lebensentwürfe – etwa das Tragen von High Heels oder die Nutzung eines Taxis – instrumentalisiert, um ihre fachliche Eignung zu diskreditieren.
Baerbock forderte mehr Fokus auf die Handlungsfähigkeit Europas. Die EU müsse «aussenpolitisch erwachsen werden», um in einer multipolaren Weltordnung nicht zum Spielball von Grossmächten wie den USA unter Donald Trump zu mutieren.