Nach der Rede des US-Präsidenten Donald Trump am WEF in Davos überschlagen sich die Reaktionen. Vor allem im linken Lager überbietet man sich mit Interpretationen, die es meist auf die Form und den Stil des Gesagten, nicht aber auf dessen Inhalt absehen.
So sei Trumps Kritik an der europäischen Energie-, Migrations- und Wirtschaftspolitik schlicht realitätsfremd, wischt ein SRF-Wirtschaftsredaktor die Rede kurzerhand weg. Man fragt sich: Wer ist näher an der Realität, der US-Präsident, der von der Bevölkerung gewählt worden ist, oder der hiesige Staatsfunk, der nur dank Zwangsgebühren überhaupt existiert?
Auch bei der SP vergessen sich die «Experten». Aussenpolitiker Fabian Molina schreibt auf Instagram: «Grönland gehört den Grönländern». Der Slogan erinnert stark an die Neonazi-Parole «Deutschland den Deutschen». Jedenfalls würde sich Molina lieber im ewigen Eis vergraben, statt ein einziges Mal den Satz zu sagen: Die Schweiz den Schweizern.
Auch SP-Co-Präsident Cédric Wermuth ist entsetzt. Weil seine Mitstreiterin Mattea Meyer derzeit erschöpfungsbedingt ausfällt, hat der 39-jährige Vollzeitpolitiker alle Hände voll zu tun, dem vierzig Jahre älteren US-Präsidenten hinterherzuspringen. So verlangt Wermuth von Bundespräsident Guy Parmelin, dass dieser jetzt «Klartext» spreche und «Haltung» zeige, unter anderem «für die Wahrung der Schweizer Souveränität».
Wermuth, der sich selbst als «Internationalist» bezeichnet und nach eigenem Bekunden nicht stolz darauf ist, Schweizer zu sein, der gleiche Wermuth, der eine Partei präsidiert, die ihrem Programm zufolge einen EU-Beitritt der Schweiz zum Ziel hat, entdeckt plötzlich die Schweizer Souveränität. Der Einfluss von Trump ist tatsächlich unergründlich.
Bittere Ironie der linken Trump-Empörung: Plötzlich setzen sich Wermuth, Molina und Co. für ein Königsreich und dessen De-facto-Kolonie ein, wobei sie die Zwangsadoptionen, die Zwangsverhütung oder auch die Missachtung der grönländischen Traditionen durch die Dänen in der jüngeren Vergangenheit ausblenden. Von der Schweiz hingegen verlangen sie, die «kolonialen Verstrickungen in der Vergangenheit» aufzuarbeiten. Wenn es gegen Trump geht, ist den Linken keine Widersprüchlichkeit zu gross.