Deutschland gönnt sich wieder etwas Grosses: mehr Staat, mehr Regel, mehr Moral. Ab dem 1. Januar 2026 steigt der Mindestlohn auf 13,90 Euro, ein Jahr später dann auf stolze 14,60. Das klingt nach sozialer Gerechtigkeit, ist aber Planwirtschaft mit Menschenantlitz.
Natürlich hat die Wissenschaft dazu etwas zu sagen – sie hat ja immer etwas zu sagen. Ihr Ergebnis: Wer mehr kostet, wird seltener beschäftigt. Konkret: Arbeitgeber kürzen die Arbeitszeit, um nicht finanziell ins Schleudern zu geraten. 13 Prozent «optimierten ihre Abläufe» ergab eine Umfrage zur letzten Mindestlohnerhöhung. 27 Prozent gaben die höheren Kosten weiter. Wer also denkt, der Staat sorge für mehr Geld im Portemonnaie, wird spätestens an der Brötchentheke eines Besseren belehrt: Die Gerechtigkeit wird da gleich mitverkauft – für 49 Cent pro Brötchen.
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Die eigentliche Pointe dieses politischen Schauspiels geht jedoch so: Der Mindestlohn ist das trojanische Pferd des Sozialismus. Er tarnt sich als Wohltat, ist aber in Wahrheit schleichende Gleichmacherei. Wenn der Staat bestimmt, was Arbeit mindestens wert ist, wenn alle gleich verdienen sollen, unabhängig davon, ob jemand Brötchen backt oder Brücken baut – dann sind wir mittendrin in der Planwirtschaft, nur dass sie heute «soziale Gerechtigkeit» heisst.
Der Mindestlohn ist die Eintrittskarte in eine Welt, in der Leistung verdächtig und Gleichheit heilig ist. Ein Land, das einst Ingenieure, Tüftler und Unternehmer hervorbrachte, produziert nun Paragraphen und Kommissionen. Man kann fast den Geruch von DDR-Bürofluren riechen, wo sich die Politiker auf die Schulter klopfen und glauben: «Wir haben den Menschen geholfen!» Wo sie Nächstenliebe verteilen, die sich anfühlt wie eine Zwangsjacke. Denn jedes Mal, wenn der Mindestlohn steigt, sinkt ein Stück Freiheit. Wer das nicht glaubt, sollte sich übernächstes Jahr beim Bäcker fragen, warum das Brötchen dann 55 Cent kostet – und warum der Verkäufer so nervös auf die Uhr schaut.