Nach dem linksextremen Anschlag auf das Berliner Stromnetz steht nicht nur die Energieversorgung, sondern auch die Wirtschaft unter Schock. Zwischen Samstag und Mittwoch fiel in rund 45.000 Haushalten sowie bei etwa 2.000 Betrieben der Strom aus. Besonders betroffen waren Handwerksbetriebe, Bäckereien, Metzgereien und Unternehmen mit empfindlicher Technik. Laut Unternehmensverbänden Berlin-Brandenburg ist von Schäden in Millionenhöhe auszugehen – genaue Zahlen liegen laut Apollo News bislang nicht vor.
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Während die Politik über Notfallpläne diskutierte, kam die konkrete Hilfe aus dem Ausland. Zwei Hochspannungstechniker der Firma ETN Energie- und Telekom Netze GmbH aus Spillern (Niederösterreich) rückten an und verlegten unter Zeitdruck eine hochkomplexe 110-kV-Kabelverbindung. Eine Arbeit, die europaweit nur wenige beherrschen. Innerhalb eines Tages war die Versorgung wiederhergestellt. Auf Instagram erreichte ein Video des Einsatzes in kürzester Zeit Hunderttausende Klicks.
Kritik richtet sich zunehmend an den Staat. Der Bundesverband der Deutschen Industrie hält das sogenannte KRITIS-Dachgesetz für unzureichend. Es mangele an einem wirkungsvollen Schutzkonzept, das der Bedrohungslage gerecht werde. Auch die Industrie- und Handelskammer warnt vor gravierenden strukturellen Mängeln beim Schutz kritischer Infrastruktur.
Für Kritik sorgte zudem Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner. Als er sich öffentlich dafür lobte, dass «Mittwoch um 11 Uhr wieder Strom da war», empfanden viele Betroffene das als zynisch – schliesslich war es kein kommunales Krisenteam, sondern ein österreichisches Unternehmen, das Berlin wieder ans Netz brachte.