Der libertäre Neuanfang in Argentinien entpuppt sich als alter Wein in neuen Schläuchen: Präsident Javier Milei habe sein radikales Versprechen, das Land aus den Fängen der politischen casta zu befreien, gebrochen – und stattdessen ein altbekanntes Drehbuch oligarchischer Geldverschiebung umgesetzt. Das schreibt der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis in einem Meinungsbeitrag auf dem Portal Unherd.
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Mileis Versprechen klangen revolutionär: Zerschlagung des Staatsapparates mit der «Kettensäge», Abschaffung der Zentralbank, Einführung des US-Dollars und von Kryptowährungen als Parallelwährungen. Internationale Unterstützer wie Elon Musk, Donald Trump und Giorgia Meloni sahen in ihm einen Hoffnungsträger. Doch laut Varoufakis ist Mileis Kurs bewusst praktizierter Etikettenschwindel.
Anstatt Märkte zu liberalisieren, habe Milei neue Schulden aufgenommen, um den Wechselkurs künstlich hochzuhalten – eine Massnahme, die laut Varoufakis bereits in den 1990er Jahren unter Carlos Menem zum wirtschaftlichen Desaster geführt hat. Der Effekt sei stets derselbe: Die wohlhabende Oberschicht könne zu günstigem Kurs Vermögenswerte ins Ausland transferieren, während das Gros der Bevölkerung die Schuldenlast trage.
«Unwillens, Milei für einen Narren zu halten, bleibt nur eine Erklärung: Er wusste genau, was er tat», schreibt Varoufakis. Die Massnahmen – Währungsstützung, Schuldenaufblähung, Austerität – dienten einzig dem Zweck, die alte Elite mit frischem Geld zu versorgen. Mileis angebliche ideologische Härte sei nur Mittel zum Zweck gewesen, um Investoren ein letztes Mal zum Bleiben zu bewegen, bevor der nächste Absturz komme.
Varoufakis’ Fazit: Milei habe die historische Chance verspielt, eine echte wirtschaftliche Alternative zu testen. Stattdessen sei er zum Vollstrecker des bekannten argentinischen heist geworden – nun eben mit Kettensäge-Logo. Die Rechnung dafür werde bald präsentiert – und zwar den Ärmsten im Land.