Der Influencer Joung Gustav mit seinem Millionenpublikum in den sozialen Medien war als Botschafter seiner Getränkemarke bei der Migros lange ein gefragter Mann. Bis er sich mit einem Mal politisch äusserte, konkret kritisch zur Asylpolitik. Der Auftritt führte zum Rausschmiss.
Die Aussagen seien «nicht mit unserem Wertekanon vereinbar», so die Migros. Wer es genauer wissen will, scheitert: In der Eigendarstellung des Detailhändlers findet sich nirgends eine Richtlinie zur Migrationsfrage.
Kurz danach flog das Getränk von Joung Gustav auch aus den Coop-Gestellen. Offiziell, weil die Nachfrage zu tief war. Gemerkt hat man das kurz nach den Schlagzeilen über die Cancel-Aktion der Migros. Es ist ein bisschen viel Zufall.
Handelsunternehmen werden zur Sittenpolizei. Grossverteiler werden zum moralischen Kompass. Joung Gustav hat weder Fake News verbreitet noch strafbare Aussagen gemacht. Er hat nur seine Meinung gesagt. Der erwähnte «Wertekanon» erinnert an eine moderne Form der Inquisition.
Migros und Coop sind private Unternehmen. Wen sie für ihre Zwecke einspannen, ist ihnen überlassen. Sie können die Zusammenarbeit mit einem Botschafter und dem Produkt, das er vertritt, natürlich aufkünden.
Schlüsse daraus ziehen, wen es trifft, darf man dennoch. Denn es ist mal wieder nur eine Seite der politischen Skala. Hätte Joung Gustav eine Lanze für den Kampf gegen den Klimawandel, für die SRG oder für eine Schweizer Version von «Wir schaffen das» gebrochen, wäre nichts passiert.
Wer jemandem die Geschäftsgrundlage entzieht, weil er eine bestimmte Meinung vertritt, macht deutlich, dass es eine einzige richtige gibt. Die Strafe dient der Umerziehung. Denn nun weiss jeder, der mit der Migros zu tun hat, dass er nur in eine Richtung ticken darf und ansonsten schweigen muss.