Lima
Mexikos sozialistische Präsidentin Claudia Sheinbaum orakelte etwas von einem «souveränen Entscheid», wobei sie offenliess, ob der staatliche Erdölriese Pemex oder sie selber diesen Entscheid gefällt hatte. Tatsache ist: Mexiko hat die «humanitäre» Belieferung von Kuba mit täglich rund 20.000 Fass Erdöl pro Tag mit sofortiger Wirkung gestoppt. Auf die Frage, ob und wann die Lieferungen wiederaufgenommen würden, erwiderte sie: «Mal liefern wir, mal liefern wir nicht.»
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Nachdem die faktisch kostenlose Erdölzufuhr aus Venezuela mit Maduros Sturz definitiv versiegt ist, steht Kuba vor dem energetischen Blackout. Bereits im letzten Jahr brach die Stromversorgung oft während Tagen zusammen. Zwar verfügt Kuba theoretisch über eigenes Erdöl, doch die Anlagen sind hoffnungslos überaltert und marode. Das Gleiche gilt für das Stromnetz.
Kubas Verbündete China, Russland und Iran können nicht mehr liefern, weil die Tanker ihrer «Schattenflotte» beschlagnahmt würden. Die US-Marine hat schon mal ihren Flugzeugträger «George H. W. Bush» sowie die Landungsschiffe «Iwo Jima» und «San Antonio» vor die Küste Kubas verlegt. Selbst die linken Regierungen von Brasilien und Kolumbien sind in Deckung gegangen.
Da Kuba seit Jahren als zahlungsunfähig gilt, kann es auch keine Importe über offizielle Kanäle tätigen. Lieferanten aus Europa stehen vor ungedeckten Forderungen von über 8 Milliarden Dollar für bereits getätigte Lieferungen. Neben der Energie fehlt es auch an Nahrungsmitteln und Medikamenten.
Kubas wichtigste Devisenquelle ist der Export von Ärzten, Krankenpflegern, Sporttrainern und Milizionären, die hauptsächlich in Venezuela und Mexiko tätig sind. Sie müssen der kommunistischen Diktatur, je nach Berechnung, zwischen 75 und 95 Prozent ihres Lohnes abliefern. Das System bescherte dem Regime in guten Zeiten jährlich Einnahmen von 4,3 bis 6,9 Milliarden Dollar. Doch auch diese Zeiten sind Geschichte.
Mit dem Fall von Diktator Maduro ist die wichtigste Devisenquelle am Versiegen. Bereits im letzten Februar hatte die Regierung Trump den kubanischen Fachkräfteexport als «Menschenhandel» und «Zwangsarbeit» qualifiziert und mit einem Bann belegt: Organisationen und Personen, die sich am System beteiligen, müssen mit harten Sanktionen rechnen. Kommt dazu, dass geschätzte 10.000 kubanische «Fachkräfte» – bei den vermeintlichen Ärzten handelt es sich oft nur um rudimentär ausgebildete Sanitäter – den Auslandeinsatz für eine Flucht nutzten, Tendenz steigend.
Denkbar ist, dass selbst die Regierung von Mexiko, eine langjährige und treue Verbündete der Diktatur in Havanna, Kuba abgeschrieben hat und keine weiteren Ressourcen mehr vergeuden will. Tatsache ist, dass die alles andere als souveräne staatliche Pemex mit über 100 Milliarden selber bis über die Ohren verschuldet und technisch bankrott ist. Mexikos Erdölförderung hat sich unter der Misswirtschaft in den letzten zwanzig Jahren halbiert und deckt kaum noch den Eigenbedarf. Auch ihre Infrastruktur gilt als marode und sanierungsbedürftig. Mit ihren milliardenschweren Geschenken an die sozialistischen Geschwister in Kuba gerät Sheinbaum vor diesem Hintergrund zusehends in Erklärungsnotstand gegenüber ihrer eigenen Bevölkerung.
Die wirtschaftliche und humanitäre Katastrophe in Kuba ist selbstverschuldet – zu 100 Prozent. Ausser mit dem ach so verhassten US-Imperium konnte die kommunistische Diktatur in Havanna seit über sechzig Jahren ungehindert Geschäfte betreiben, oft sogar zu Sonderkonditionen. Über Jahrzehnte hielt die Sowjetunion ihren Brückenkopf vor der US-Küste mit milliardenschweren Erdölgeschenken und technologischem Transfer am Leben. Nach der Jahrtausendwende übernahmen Venezuela und in einem geringeren Masse China, Brasilien, Russland und der Iran die Rolle des sugar daddy.
Diese Zeiten sind vorbei. Die Frage ist nur, ob die Diktatur ihre Agonie vorzeitig beenden will – oder ob sie, getreu ihrem Motto «socialismo o muerte», ein ganzes Volk mit sich in den Abgrund reisst.