Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass Friedrich Merz einer der schwächeren Kanzler deutscher Geschichte ist (gerechnet ab Bismarck, nicht Adenauer). Doch immer kommen neue Mängel dazu.
Einer davon: Merz sagt zuweilen das Richtige. Aber immer, wenn es zu spät, das Kind im Brunnen ist.
Hätte, hätte, Fahrradkette, würde Peer Steinbrück sagen, SPD-Kanzlerkandidat seligen Angedenkens.
BERND VON JUTRCZENKA / KEYSTONE
Soeben hat Merz Deutschlands Ausstieg aus der Atomenergie als «strategischen Fehler» gegeisselt. Gut gebrüllt, Löwe. Doch wo war der Bettvorleger, als der Fehler begangen wurde – von Parteifreundin Angela Merkel?
Fairerweise muss man sagen, dass Merz nie ein Freund des Ausstiegs war, aber an die grosse Glocke hängte er seine Haltung nie. Er hätte in seiner eigenen Partei der Kanzlerin Zunder geben können, vor allem wenn er den Fehler für «strategisch» hält – also schwerwiegend, folgenschwer, vermutlich irreversibel.
Doch Merz hat nie in seiner Karriere aufgemuckt, schon gar nicht gegen die Frau, die ihn politisch entmannte. Im Gegenteil: Beim leisesten Gegenlüftchen kuscht er – auch bei der Atomkraft. Im Koalitionsvertrag ist keine Rede von ihr, weil die SPD das nicht wollte. Daran wird auch ein Wiedereinstieg scheitern.