Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat sich deutlich von der Einschätzung des deutschen Kanzlers Friedrich Merz über die Bedeutung amerikanischer Kulturkämpfe in Europa distanziert. Merz hatte auf der Münchner Sicherheitskonferenz erklärt, der «Kulturkampf der Maga-Bewegung ist nicht unserer», und zugleich die Führungsrolle der USA als «vielleicht bereits verloren» bezeichnet. Meloni dagegen bezeichnete die Aussagen als individuelle politische Bewertung, die «nicht in den Zuständigkeitsbereich der Europäischen Union» falle.
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In einem Interview mit dem Corriere della Sera erklärte Meloni, sie teile Merz’ Diagnose über den Einfluss der US-Rechtsbewegung nicht. Zugleich betonte sie aber, dass Europa seine sicherheitspolitische Eigenständigkeit stärken müsse – etwa durch den Ausbau des europäischen Pfeilers der Nato. Merz habe recht, wenn er fordere, Europa müsse «mehr tun», sagte sie. Einen Abschied von den USA lehnt Meloni jedoch strikt ab: Ziel müsse eine «grössere Integration zwischen Europa und den Vereinigten Staaten» sein.
Meloni unterstrich zudem die Bedeutung transatlantischer Zusammenarbeit vor dem Hintergrund wachsender geopolitischer Spannungen. «An dem zu arbeiten, was uns eint, ist für alle wichtig, besonders für europäische Staaten», erklärte sie. Italien habe daher ein starkes Interesse an einer engen Partnerschaft mit Washington. Politico verweist in diesem Zusammenhang auf Melonis bevorstehende Buchveröffentlichung in den USA – versehen mit einem Vorwort von US-Vizepräsident J. D. Vance und einem Zitat von Donald Trump.
An der Münchner Sicherheitskonferenz war die italienische Ministerpräsidentin nicht anwesend. Meloni reiste stattdessen nach Addis Abeba, obwohl es Hinweise gab, sie sei eingeladen worden, in München unmittelbar nach Merz zu sprechen.