Grüezi miteinander, ganz herzlich willkommen und einen wunderschönen guten Tag, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde aus nah und fern. Ich begrüsse Sie zu einer weiteren Folge von Meilensteine der Schweizer Geschichte mit Professor Christoph Mörgeli. Heute senden wir aus der Innerschweiz, aus dem Kanton Uri und im Hintergrund... Sehen Sie, aufragen ein bedeutendes Bauwerk hier an strategisch wichtiger Stelle gelegen, auch eine architektonische Meisterleistung der frühen Neuzeit. Ja, lieber Christoph, was hat es mit diesem Schloss, das wir da sehen, auf sich? Grüezi miteinander. Wir befinden uns in der Gemeinde Seedorf, zusammen mit Bauern seit 2021, eine Gemeinde von etwa 2000. Und das Schmuckstück dieser Gemeinde ist zweifellos dieses Schlösschen, dieses Weiherschlösschen, ein Wasserschloss könnte man es auch nennen, Schloss Seedorf oder vielmal eben Schloss Apro genannt. Und dieses Wort Apro hat einen ganz bestimmten Grund. Ja, Apro, das ist auch hier die Apro-Strasse, ein ungewöhnlicher Name im Kanton Uri. Klingt jetzt nicht sehr innerschweizerisch, warum Apro? Was ist APRO? Das ist richtig, das ist nicht wie Muhheim oder Zkraken oder Gisler, bekannte Geschlechter hier im Kanton Uri. Die APROS kamen aus dem Wiental, aus der Levetina und sind hier eingewandert. Das war natürlich damals urnerisches und überhaupt innerschweizerisches, eidgenössisches Untertanengebiet. Aber die Familie Apro hat bereits im Jahre 1513 das... urnerische Bürgerrecht erhalten. Und es war dann vor allem der Vater Jakob Apro mit seinem Sohn Peter Apro, der eine noch beachtlichere Karriere hier in Uri eingeschlagen hat, die dieses Schlösschen gebaut haben in den Jahren 1556 bis 1558. Ein Schloss als Krönung einer offensichtlichen Laufbahn. Wie haben es die Apros geschafft? so bedeutend zu werden. Warum sind Sie überhaupt hier gelandet? Vater Apro, er ist ungefähr 1560 gestorben, hat bereits beachtlich Karriere gemacht. Er wurde Landesseckelmeister. Er war auch Vogtschreiber in Bellinzona, war Landvogt in Baden. Er war also eine führende Figur in der Urner Aristokratie. Das waren bereits... Wenige Familien, die hier geherrscht haben, obwohl im Grunde eine Landsgemeindedemokratie funktionierte. Aber es war auch ein Patriziat, das dann letztlich das Sagen hatte. Und die Apros gehörten dazu seit diesem Jakob Apro, der sich eben hier offensichtlich ein wunderbares Schloss hat leisten können. Und das Geld kam woher? Das Geld kam einerseits aus dem blühenden Gotthardhandel, wo man sich beteiligt hat. Und es kam andererseits, wie so oft in diesen Zeiten, aus dem Solddienst. Die Apro waren Soldunternehmer, sie waren Militärunternehmer, sie waren auch in fremden Diensten. Vater Jakob Apro war Hauptmann in französischen Diensten und hat dann seine Untertanen gewissermassen, beziehungsweise seine Landsleute angeworben. sei es auf der nördlichen Seite des Gottschalks, aber auch auf der südlichen Seite. Die Apros haben auch da eine Art Kaserne eingerichtet, um ihre Truppen zu versammeln in Minusio. Und so gesehen war das wirklich ein blühendes Militärunternehmen. Und man hat dann diese Soldaten entsprechend verkauft, vor allem dem französischen König. Was musste man können, um so einen Söldnerhandel damals aufzubauen, eine Art von Menschenhandel? Könnte man sagen, was braucht es dazu? Musste man schon reich sein oder konnte man sich da hocharbeiten? Wie ist das am Beispiel, vielleicht diese Familie noch einmal zu rekonstruieren? Ein gewisser Reichtum war sicher von Vorteil, den man sich eben durch den Handel erworben hat, der hier wegen der Gotthardroute recht attraktiv war. Und man muss eben tüchtig sein, die entsprechenden Beziehungen haben. Übrigens haben durchaus auch die Frauen mitgewirkt in der Buchhaltung. von einem solchen Solddienstunternehmen. Es ist interessant in der Schweizer Geschichte, vor allem im 19. und 20. Jahrhundert, hat man diese fremden Dienste nicht so gern. Das war nicht ein Höhepunkt der Schweizer Geschichte nach damaliger Auffassung. Man sah nicht gern, dass da frühere Eidgenossen ihr Blut verkauft haben an fremde Herrscher und womöglich noch gegeneinander angetreten sind. Es kam dann zu Beginn des 20. Jahrhunderts so eine Art Renaissance, Treue und Ehre und man hat das wieder verherrlicht, was da im Ausland mit Schweizer Söldnern oder fremden Kriegsdienstleistenden geschah. Und heute sieht man das aus vielfältiger Perspektive, vor allem eben auch aus ökonomischer. Und man muss festhalten, dass die inneren Orte ohne Solddienst wahrscheinlich gar nicht hätten überleben können. Was wissen wir aus den damaligen Quellen über die Familie Apro? Was für eine Form von Söldnerunternehmen galten sie? Hatten sie einen guten Ruf? Was war ihre Spezialität? Sie hatten natürlich im Land Uri einen guten Ruf. Sie hatten auch etwas anzubieten. Denn die Familien waren froh, wenn sie junge Männer in diese fremden Dienste schicken konnten. Denn das gab natürlich Geld. Es gab aber auch Geld für die Vermittler dieser Dienste, für die Familie Apro. Und die hat das offensichtlich gut gemacht und sie hat es auch nicht verdorben mit der Bevölkerung. Sonst wäre die politische Karriere, die Einflussnahme dieser Familie Apro nicht denkbar. Denn der Sohn von diesem Jakob Abro, das war Peter Abro, Der hat dann das Amt des Urner Landamanns erreicht, also das allerhöchste Amt, das dieser Landort damals, der heutige Kanton, zu vergeben hatte. Und dieses Schloss im Hintergrund, war das gleichzeitig Amtssitz, Privatsitz, Geschäftssitz? So kann man das sagen, das war ein Familiensitz, da haben sie residiert, sie haben natürlich auch andere Gebäudigkeiten gehabt, sie hatten sehr umfangreichen. Grundbesitz an Matten, an Alpen, an Wiesen und Äckern etwas weniger. Das ist etwas schwieriger in hohen Lagen. Aber sie hatten wirklich eben auch landwirtschaftlichen Grundbesitz. Sie hatten Angestellte und residierten hier, haben sich hier wahrscheinlich einen Traum verwirklicht. Der Vater und Sohn Apro in diesem mittleren 16. Jahrhundert, nämlich ein Schlösschen, das sowohl vom Süden her, südlich des Gotthards, wie auch vom Norden her, architektonisch beeinflusst ist. Und eben diese Burgzinnen und Mauern, das war ja rein dekorativ. Das hat so etwas fast schon leicht Disney-haftes. Der Baustil, die ganze Art und Weise. Kannst du da vielleicht noch etwas dazu sagen? Das ist ganz richtig als Beobachtung. Das war natürlich nicht in dem Sinn eine wehrhafte Liegenschaft. Es hat aber Anlehnungen ans Mittelalter gemacht, denn wunderbar angelegt ist rundherum. Das Wasser, der Weiher, es ist eine eigentliche Wasserburg. Und die Architektur ist aber eine Mischung zwischen später Gotik und dann früher Renaissance, also auch leicht, beschwingt und für Sauge sehr, sehr schön. Das ist sicher ein architektonischer Höhepunkt nördlich der Alpen und wie ich gesagt habe, sicher auch von der südlichen Leichtigkeit und Heiterkeit noch etwas beeinflusst. Welche Spuren hat Peter ab? Peter Apro war eine bedeutende Figur. Er hat sich zum Beispiel eben auch wieder im Tessin engagiert. Er war auch da Landvogt in Lugano. Er war, wie ich gesagt habe, Landesstadthalter und dann vor allem Landamann, also Stellvertreter und im eigentlichen Amt. und Vater ab. Jakob Apro hat sich einen Namen gemacht, indem er damals im Jahre 1531 die Burg von Locarno eingenommen hat mit seinen Urnern. Die waren also kriegerisch unterwegs im Süden und haben sich da einige Gebiete zusammengerafft. Wenn man vielleicht hier noch für den allgemeinen Zusammenhang noch wirklich ganz kurz noch einmal anspricht, die Schweiz im 16. Jahrhundert, eben die Apros jetzt im Größeren. wenn man so will, eidgenössischen Zusammenhang. Was waren die Problemstellungen, was waren so die wichtigsten historischen Faktoren, die man kennen muss, um irgendwie diese Familie hier im Kanton Uri, Tessin, in der damaligen Zeit einzuschätzen? Was waren die wichtigsten Themen, die wichtigsten Probleme, die wichtigsten Herausforderungen der damaligen Zeit? Wichtig war natürlich die Glaubensspaltung. Das spielte eine ganz enorme Rolle und diese Eidgenossenschaft trotzdem zusammenzuhalten, zusammenzuhalten war, Die Apros waren innerhalb der Gegenreformation eine wichtige Familie. Sie waren auf Gesandtschaften, sie waren aber auch akzeptiert als Schiedsrichter, offensichtlich von den reformierten Kantonen. Sie sind immer wieder beispielsweise bei Grenzstreitigkeiten zwischen anderen Orten angerufen worden. Sie waren wirklich über Jahrzehnte Tagsatzungsgesandte und haben da den Ort Uri würdig vertreten. Wenn man die Geschichte anschaut, ist wichtig zu wissen, dass letztlich nur... die in der Schweiz und dann noch Klarus als eigentliche Kantone, wie sie heute bestehen, damals funktionierten und eigentlich demokratisch legitimiert waren. Dazu kam Appenzell. Das übrige Mittelland war eigentlich nur hauptstädtisch. Das heisst, die Hauptstädte haben die umliegenden Gebiete als Untertanengebiete, als Vogteien verwaltet. und so gesehen war die damals politisch. kritisch aktive Schweiz sehr, sehr viel kleiner als heute. Jetzt aus der Sicht eines gewöhnlichen Bürgers, ob er jetzt zum Beispiel im Kanton Zürich einem Landvogt im Kanton Zürich oder hier beispielsweise im Kanton Uri unterstellt war, gab es da Unterschiede? War das Leben hier unter den Apros anders als unter entsprechenden Zürcher Familien? Es war natürlich so, dass die Urner eigentlich frei waren. Also die Urner waren nicht in dem Sinn... Untertanen. Und zwar auf dem ganzen Gebiet von Uri hatten sie ihr Stimmrecht, durften mit 14 an die Landsgemeinde die Behörden bestellen und über Krieg und Frieden entscheiden. Es waren übrigens auch zwei Seedorfer jeweils im Rat der 60 gewissermassen im damaligen Parlament von Uri, das aber eben wirklich beherrscht wurde in den wichtigen Ämtern von Familien wie den Apros, die übrigens sehr auch geadelt wurden. Die wurden zuerst sowohl Vater wie Sohn vom französischen König geadelt und dann auch wenige Jahre später noch vom römisch-deutschen Kaiser. Also es waren Ritter-Apros. Und welche Rolle haben jetzt zum Beispiel diese Apros gespielt in der internationalen Adelsgesellschaft von damals? Wären die jetzt belächelt worden, so quasi als Bergleradel? Oder waren die angesehen jetzt auch über die... Grenzen dieser Gebiete hinaus, die waren natürlich schon nicht gleichgestellt dem Hochadel oder auch dem mittleren Adel. Das kann man nicht vergleichen. Es war letztlich ein Verdienstadel aufgrund der Solddienste, der guten Dienste, die man geleistet hat, vor allem an Frankreich. Man muss aber auch sagen, dass Sohn Peter Apro eine Pension bezogen hat vom französischen König. Das war damals eigentlich relativ unproblematisch. Heute. Wäre das eigentlich Korruption und Bestechung? Also während er in Uri wichtige Ämter innegehabt hat, hat er sich vom französischen König durchaus ohne schlechtes Gewissen bezahlen lassen. Jetzt ist der Familienname Apro heute nicht mehr geläufig. Ich kannte ihn nicht. Gibt es diese Familie noch? Ist sie ausgestorben? Wie ist es dann weitergegangen? Vor allem auch jetzt mit Peter Apro und seinen unter Umständen Nachkommen. Zwei, drei Jahre nach dem Tod des jüngeren Peter Apro ist die männliche Linie bereits erloschen, 1585. Da gibt es also keine Apros mehr im Kanton Uri. Aber über die Töchter hat sich dieses Geschlecht bis heute weiterentwickelt, sage ich mal. Also es gibt heute durchaus Urner und auch andere Schweizerinnen und Schweizer, die sich auf die beiden Apros zurückführen können. Und es ist immer noch eine im Kanton Uri angesehene Familie. Es ist eine angesehene Familie, natürlich historisch. Es ist eine historische, ausgestorbene Familie. Aber dieses Schlösschen ist wichtig, denn man hat eine Fideikommiss eingerichtet und schliesslich eine Art Stiftung. Also man hat dafür gesorgt, dass die Bekannten und Verwandten dann das verwalteten. Im 19. Jahrhundert wurde es schwierig, das zu unterhalten. Man hat sich überlegt, soll man eine Schule rein... oder ein Kinderheim. Und es hat dann schlussendlich 1959 der Kanton Uri dieses Gebäude, das bereits Ende 19. Jahrhundert mal restauriert wurde, übernommen hat. Und heute ist es also in kantonal urnerischem Besitz. Und was macht man in diesem Gebäude? Was ist seine Zweckbestimmung? Die Zweckbestimmung ist heute eigentlich, dass es eine Restauration gibt, eine sehr gehobene Gastronomie, seit 2009 ein Punktekoch. Darf man sagen, sehr empfehlenswert, dass es auch in den oberen Stockwerken dann durchaus Ausstellungen gibt. Und was hier auch im Schlösschen untergebracht ist, ist die urnerische Mieterrechte. Mineralien-Sammlungen, wunderbare Mineralien, die da zu sehen sind. Nutzt der Staat, nutzt die Regierung dieses Schloss für repräsentative Anlässe? Durchaus die Regierung, der Regierungsrat des Kantons Uri ist hier präsent, wenn er zum Beispiel Gäste empfängt in diesen wunderbaren Räumen. Da gibt es Rittersaal, da gibt es Festsaal, da hat es natürlich eben auch die entsprechende Ummauerung mit würfelförmigen vier Türmen, da hat es innere Zinnen und Wehrgänge. Es ist eine Pracht, auch im Inneren, was die Täferung betrifft, Ofenbau und natürlich die ganzen Stukaturen. Das ist ein herrliches Stück frühe Renaissance. Was ist für dich persönlich als Historiker das Meilensteinhafte an diesem Schloss? Was macht das aus, um es noch einmal zusammenzufassen? Was hat dich dazu bewogen, dieses Kapitel heute aufzuschlüsseln? Ich glaube, es ist wichtig zu sehen, dass auch in den Urkantonen nicht unbedingt nur ganz demokratische Zustände herrschten, sondern es hat sich auch hier eine Herrscherschicht herausgebildet, welche die politischen Geschicke geleitet hat, mal schlechter, mal besser. Und diese Familie Apro gehört dazu. Sie waren ein wichtiger Bestandteil und eine wichtige Stimme, auch der katholischen Schweiz damals in der Zeit der Gegenreformation, die aber eben auch als Familie von den reformierten Häuptern und Kantonen. und Hauptstädten respektiert wurde. Also wenn die Schweiz sich einbildet, sie sei sozusagen seit Urzeiten eine Art basisdemokratischer Verbund gewesen, dann ist da ein grosses Stück Selbsttäuschung drin. Es gab Aristokraten, es gab mächtige Familien, die auch ihren legitimen, ihren guten Anteil hatten im Werden und Gedeihen der Reitgenossenschaft. Durchaus. Und sie haben natürlich auch eine soziale Verantwortung wahrgenommen. und vor allem diese Ab- Die Opros sind dann als Stifter aufgetreten und haben der Öffentlichkeit ihren Besitz übergeben. Jedenfalls ist es dann nach einigen Jahrhunderten so gelaufen. Übrigens war es auch mal Pfarrhaus des Seedorfer Pfarrers. Es gab da verschiedene Phasen in der Baugeschichte. Und im beginnenden 20. Jahrhundert hat man in Artikeln, auch in der Neuen Zürcher Zeitung zum Beispiel, sehr bedauert, dass dieses Juwel eigentlich zerfällt. Das da. niemand ist und dass man das unbedingt wieder restaurieren müsste. Ja, lieber Christoph, vielen herzlichen Dank. Wir blicken noch ein letztes Mal hier auf das Schloss, auf das Schlösschen. Und Sie müssen sich vorstellen, die Umgebung hier ist natürlich umgrenzt, könnte man sagen, von steil aufragenden Felsen und mittendrin dieses zierliche Wasserschlösschen. Sehr interessant, der Kanton Uri natürlich so etwas wie eine Urfestung der Schweiz, eben mit diesen schroffen Felszacken, die auch metaphorisch, symbolisch interpretiert werden können, als Absage an alle Versuche, die Schweiz da irgendwo einzusacken und zu schlucken. Bilder und Berge von bleibender, symbolischer... Bedeutung, ganz herzlichen Dank Christoph, meine Damen und Herren, Ihnen für die Aufmerksamkeit und im Hintergrund noch einmal dieses wunderschöne Gebäude mit langer, langer Geschichte und nach wie vor in Gebrauch in vielfältiger Art und Weise. Vielen Dank fürs Zuschauen. Wir melden uns am nächsten Samstag. Spätestens sind wir wieder da mit einem neuen Meilenstein der Geschichte. Für heute sagen wir auf Wiedersehen. Danke vielmals. Wir freuen uns aufs Wiedersehen.
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