Grüezi miteinander, ganz herzlich willkommen und einen wunderschönen guten Tag, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde. Ich begrüsse Sie zu einer weiteren Folge von Meilensteine der Schweizer Geschichte mit Professor Christoph Mörgeli. Ja, die Auseinandersetzung mit der Geschichte des eigenen Landes ist sehr wichtig. Wir haben das ja vor einigen Jahren. um eine Lücke zu füllen, denn in der Schule, auch an den Universitäten, so scheint es, wird vor allem das Fach Schweizer Geschichte vernachlässigt. Dabei ist die Geschichte unseres Landes hochinteressant. Es gibt so viele Facetten, die weit in die Vergangenheit zurückreichen, aber auch in unmittelbarer Gegenwart eine bedeutende Rolle spielen. Und wer die Geschichte nicht kennt, der weiss nicht, auf welchen Grundlagen... Und deshalb freut es mich, dass Sie dabei sind und wir werden heute auch ein hochinteressantes Kapitel etwas näher uns anschauen. Und zwar spielt da die Hauptrolle das Gebäude im Hintergrund. Doch bevor ich mehr Worte verliere, übergebe ich an unseren Historiker, an Professor Christoph Mörger. Ja, Christoph, herzlich willkommen in der Sendung. Wir sehen da ein tatsächlich geschichtsträchtiges Gemäuer. Was ist das und was hat es damit auf sich? Grüezi miteinander. Wir befinden uns tatsächlich in Bubikon, vor dem Ritterhaus Bubikon, etwas abseits dieses Dorfes. Es hat mittlerweile auch 7700 Einwohner im Bezirk Hinwil, Zürcher Oberland. Und wenn wir vor diesem Ritterhaus stehen, dann müssen wir sprechen von den Kreuzzügen. Denn damit hat alles begonnen mit diesem enormen... Aufbruch aus Europa Richtung Osten. Kreuzzüge, das ist ja ein ausgedehntes Kapitel. Von welchem Kreuzzug reden wir da? Vom ersten, vom zweiten, dritten, vierten? Wie viel hat es überhaupt gegeben insgesamt? Also, umstritten jedenfalls reden wir vom ersten Kreuzzug. Und das ist ein Kreuzzug, der Papst Urban II. ausgerufen hat im Jahr 10... 95 aufgrund von Hilferufen, vor allem aus Byzanz, denn die Muslime hätten Jerusalem eingenommen. Und damit natürlich das Grab Jesu und überhaupt die ganze Geschichte der biblischen Welt. Und da gab es natürlich grosse Aufregung. Man hat auch übertrieben die Gräueltaten, die da geschehen sein sollen, wurden natürlich ins Unermessliche gestemmt, um da eben eine entsprechende Bewegung auszulösen. Das ist dann gelungen, ausgehend aus Clermont, zuerst vor allem dann die französischen Adligen, die gezogen sind, aber auch viele Nicht-Adlige, die eben Richtung dieses biblischen heiligen Landes auszogen. Das war eine wirkliche Bedeutung. Seinerzeit hat das der Schriftsteller Theodor. Fontane, sehr schön geschrieben. Man müsse manchmal etwas übertreiben. Man könne nicht einfach sagen, das Gitter rund um das Grabmal von Jesus Christus habe etwas Rost angesetzt und brauche einen neuen Anstrich. Man hätte das wirklich eben etwas drastischer ausdrücken müssen. Die Macht der Narrative in allen Zeiten ja immer wieder zu besichtigen. Auch heute wieder braucht es Erzählungen, um die Leute in Bewegung zu versetzen. Vielleicht noch etwas allgemeiner. Bevor wir auf das Ritterhaus zu sprechen kommen, die Kreuzzüge. Der erste Kreuzzug meines Erachtens ist, glaube ich, der erfolgreichste gewesen all dieser Bewegungen. Wer hat daran eigentlich teilgenommen? Das ist ja vor allem auch eine Angelegenheit der europäischen Aristokratie gewesen, glaube ich. All die Söhne, die zweitgeborenen und drittgeborenen, die man auf den Schlössern nicht brauchen konnte, die suchten sich ein anderes Betätigungsfeld. Kannst du dazu noch etwas sagen, um welche Rolle die Schweiz vielleicht insgesamt in dieser theologisch-kriegerischen Mobilmachung spielte? Ja, das ist doch sehr interessant. Und als Zeitdokument, was da geschehen ist, es sind tatsächlich sehr viele Adlige aufgebrochen. Es war fast ein Muss, also wer da zu Hause geblieben ist, galt dann als Feigling, er sei ein Verlieger, also jemand, der zu faul ist, um da loszuziehen. Es waren aber nicht nur Adlige, es gab auch eine ganze Horde von Volk und es war so eine Mischung aus religiösem Zug. aber eben auch natürlich militärisch-kriegerischer Aktion. Und wie du gesagt hast, der erste Kreuzzug war tatsächlich der erfolgreichste, hat 88 Jahre lang angehalten. Für 88 Jahre wurde Jerusalem quasi befreit von den islamischen Besetzern und nachher kamen sie wieder und es mussten dann neue Kreuzzüge initiiert werden, die dann wesentlich weniger erfolgreich waren. und auf diesen. ersten Kreuzzug tatsächlich geht dieses Gebäude, das wir hinter uns haben, zurück. Wie ist die Schweiz in dieses Geschehen, in diese Weltbewegung, die es ja damals war in Europa, hineingezogen worden? Und welche Rolle spielte dann das Ritterhaus? Es sind natürlich auch Schweizer Adlige ausgezogen, auch ihr Anhang, auch einige geistliche, aber im Wesentlichen war das doch eine weltliche Bewegung. Es waren also nicht in dem Sinn geweihte Priester, die da in erster Linie loszogen. Die mussten gepflegt werden, denn es gab Krankheiten, es gab Verletzungen. Und da gab es sogenannte Ritterorden, die sich um diese Kreuzzügler gekümmert haben. Auch um die dortige Bevölkerung, die man antraf. Und das war der Beginn dieses Johanniter- oder Malteser-Ordens. Hospitaliter hiessen sie auch teilweise. Die wurden dann zu Beginn des 14. Jahrhunderts vom Papst als Ritterorden anerkannt. Und sie haben durch Stiftungen in ganz Europa sogenannte Kommenden oder eben Ritterhäuser, Kontureien, wie man auch sagte, gegründet. Etwa 1000 in Europa. In der Schweiz sind es mit der Zeit dann 19. Wie gesagt, Stiftungen, meistens von Adligen, nicht sehr grossräumig. Weit verteilt, auch in der Westschweiz, gab es solche Kommenden. Die allerbesterhaltene, ich glaube, von ganz Europa liegt hinter uns. Das ist das Ritterhaus Bubikon, das sich in dieser Form wirklich in ganz aussergewöhnlichem Mass erhalten hat. Wann erbaut? Das wurde erbaut zwischen 1195 und 1198. Es gab dann auch im... nachfolgenden 13. Jahrhundert wesentliche Anbauten. Und es wurde auch später hier gebaut. Das war zuerst ein Bruderhaus und eine Kapelle. Es kam dann auch ein Rittersaal dazu mit der Zeit. Und wichtig ist natürlich vor allem die Kapelle und deren Inneneinschmückung. die Malereien sind von 1210 gehören zu den schönsten dieser Zeit in der deutschen Schweiz und behandeln vor allem das Leben von Johannes dem Täufer. Und dann auch die Stifter dieses Ritterhauses. Das sind einerseits die Grafen von Toggenburg, aber auch die adlige Linie des sogenannten Neurapperswiler. Das wird wunderschön dargestellt, konnte dann auch wieder freigelegt und restauriert werden. Diese Malereien sind wirklich einzigartig. Was ist eigentlich ein Ritter? Wenn wir diese Bezeichnung verwenden, es gab Grafen, es gab Herzöge, es gab Barone und dann eben der Begriff des Ritters, eine ritterliche Kultur. Was ist eigentlich ein Ritter gewesen? Kannst du dazu noch etwas sagen? Ein Ritter ist ein niedriger Adliger, ein Berittener, einer der ein Pferd hat. Man konnte auch vom bürgerlichen Stand, man sprach dann von Ministerialen, vom Dienst, Adel, Dienstpersonal auch zuerst sprechen. Die stiegen dann auf zu Rittern. Das waren also eine doch relativ breite Schicht von niedrigem Adel, wie man sagen könnte. Hier aber die Stifter natürlich dann von bedeutenderem Adel. Man muss sich vorstellen, dass hier neben einem Prior vor allem Geistliche gelegt haben, einige wenige wahrscheinlich, und dann auch eine ganze Anzahl Weihenbrüder, die dann eine entsprechende Landwirtschaft besorgt haben. Dieses Ritterhaus hatte auch Landwirtschaft, hat sich natürlich dann selber ernährt und hatte umgebende Untertanengebiete. Nicht sehr viele, aber doch einige Gebiete. wo dieses Ritterhaus dann auch die niedere Gerichtsbarkeit ausgeübt hat. Und sind hier also Kreuzzugsheere vorbeigekommen, internationalen Zuschnitts? Muss man sich das so vorstellen, dass da eben im 12. und 13. Jahrhundert tatsächlich französische, flämische Adlige sich hier sozusagen vorbereitet haben, Zwischenstation gemacht haben? Oder wäre das eine falsche Vorstellung? Es ist eher unwahrscheinlich, dass das gewissermassen ein Hotspot war von Durchziehenden. Aber die Stifter wollten etwas Gutes tun und es war eben en vogue, hier diese Kreuzzüge in irgendeiner Weise zu unterstützen. Und das tat man mit der Unterstützung dieses Johanniterordens, benannt übrigens nach Johannes dem Täufer natürlich. Später spricht man ja dann auch von Maltesern. mit der weiteren Geschichte zu tun, denn zu Beginn des 14. Jahrhunderts haben diese Johanniter eine Art Adelsrepublik auf der Insel Rhodos eingerichtet, haben da auch geherrscht, waren gewissermassen ein unabhängiges Land und als dann im Jahre 1520 Rhodos von den Osmanen überrannt wurde, also die Muslim auch diese Insel eingenommen haben. Da wurde ihm vom Papst dann ein neues Land, eine neue Insel zugewiesen, nämlich Malta. Und Malta hat man dann ab, ich glaube, 1533 einnehmen können. Es wurde da eine Adelsrepublik geschaffen, die blieb unabhängig bis ins Jahr 1798, als dann die Franzosen kamen und die Malteser sind dann... Bei der Reformation gewissermassen der katholische Zweig dieses Ordens, die Johanniter, sind die evangelischen Ordensritter bzw. Wohltäter der Menschheit. Denn die Pflege von Kranken, die Versorgung von Kranken, bleibt ein wichtiges Anliegen dieses Ordens. Wie hat sich das Ritterhaus im Laufe der Zeit entwickelt? als auch die Die Kreuzzugsbewegung schliesslich versandete und endete nach den Niederlagen der westlich-christlichen Mächte im Nahen Osten. Mit der Herrschaft Grüningen kam auch das Ritterhaus zu Beginn des 15. Jahrhunderts an die Stadt Zürich. Die Stadt Zürich hat das aufgekauft, es blieb aber im Wesentlichen dem Grossprior von Deutschland unterstellt. Die Funktion hat sich nicht stark geändert. Ein grosser Einschnitt bedeutete dann aber die Reformation. Da kam es zu einer wirklichen Krise in diesem Ritterhaus. Der letzte Vogt gewissermassen oder Stadthalter war Johannes Stumpf, ein Geistlicher, ursprünglich aus Deutschland, ist berühmt geworden durch seine stumpfsche Chronik über die Schweizer Geschichte. Und er hat sich der Reformation angeschlossen und von da an... hat dann Zürich vereinbart mit dem Orden, dass hier ständig ein Vogt, ein Stadthalter oder ein Schaffner, wie man ihn auch nannte, residiert und zum Rechten schaut. Aber im Prinzip blieb eigentlich auch dieses Ritterhaus nach der Reformation unter der Aufsicht eines Grosspriors. Es wurde Landwirtschaft betrieben, es wurden Abgaben dann auch geliefert nach Zürich, aber das Ritterhaus Publikon. wurde zürcherisch und mit der Reformation ist auch die Kapelle aufgegeben worden. Die Wände wurden übertüncht, es kam ein Schweinestall in diese Kapelle. Und heute? Ist das ein Museum, habe ich gesehen, hier, wenn man zufährt? Man kann es, glaube ich, auch für öffentliche Veranstaltungen mieten. Zumindest habe ich, glaube ich, nicht nur Glaube, sondern tatsächlich eine Veranstaltung hier mal durchgeführt vor dieser prächtigen Kulisse. Was ist die Rolle heute? Das Ritterhaus, das dann auch 1570 noch wieder etwas umgebaut wurde für diese zürcherische Herrschaft, ist dann... 1789 an einen Privatmann, einen Escher von Berg am Irchel verkauft worden. Haben dann auch Bauern gestürmt, die wollten diese Herrschaft nicht mehr haben, der sie abgabepflichtig waren am Ende des Ancien Regime. Und aus der Privatisierung wurden dann verschiedene Besitzerwechsel im Lauf der Zeit. Es wurden hier Wohnhäuser errichtet, es wurde Landwirtschaft Es war also im 19. Jahrhundert privatisiert, bis der Kanton Zürich dann die ganze Gebäulichkeit gekauft hat, bis auf einen kleinen privaten Teil, der heute noch als privates Wohnhaus diente. Das war 1917 und es wurde dann eine Ritterhausgesellschaft gegründet. Entschuldigung, 1917 ist zu früh, aber diese Ritterhausgesellschaft hat dann eigentlich... Dieses Gebäude erworben auch mit öffentlichen Geldern, mit Freilichtspielen usw., bei denen man Geld eingespielt hat. Und es war die Zeit der geistigen Landesverteidigung. Man hat sich an die Heimatkunde erinnert und in den folgenden Jahren, bis 1959, wurde hier massiv restauriert. Seit 1941 ist ein öffentlich zugängliches Museum hier mit einer schönen Waffensammlung. Es wird dann auch in einer neueren Ausstellung seit 1999 erinnert an die Geschichte der Konture, natürlich an die Geschichte des Johanniterordens und dann auch an die Baugeschichte unter Zürcher Herrschaft. Und später, es hat einen sehr schönen Garten, einen Kräutergarten hier ausserhalb. Man kann, wie gesagt, dieses Gebäude heute für Privatanlässe mieten und es ist wenigstens... ausserhalb der Wintermonate auch geöffnet für Besichtigungen. Lieber Christoph, ganz herzlichen Dank für diese Ausführungen. Meine Damen und Herren, das Ritterhaus von Bubikon im Zürcher Oberland, ein Zeuge der Kreuzzüge und ein Monument der geschichtlichen Stammfestigkeit, kann man sagen. Ich danke Ihnen ganz herzlich für die Aufmerksamkeit. Das war es für heute. Wir melden uns zurück. mit einem weiteren Kapitel, mit einem weiteren Meilenstein der Schweizer Geschichte. Merci vielmals und Ihnen allen einen weiterhin schönen Sommer. Und wir hoffen ja inständig, dass jene Hitze und Wärme, die uns da schon drohend prognostiziert wurde, nun auch tatsächlich eintreten möge. Machen Sie es gut. Bis bald. Wir melden uns zurück. Vielen Dank.
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