«Grüezi, ich begrüsse Sie ganz herzlich zu einer weiteren Ausgabe von Weltwoche Daily, spezial Meilensteine der Schweizer Geschichte mit Professor Christoph Mörgli. Mein Name ist Roman Zeller und wir befinden uns heute in Frauenfeld. Hinter uns ist das Schloss Frauenfeld. Lieber Christoph, was ist die Bedeutung oder was steckt dahinter? Was ist der Meilenstein der Schweizer Geschichte heute? Grüezi miteinander. Wir sehen hinter uns das Schloss Frauenfeld im Kantonshauptort Frauenfeld des Kantons Thurgau. Und ich meine, dieses Schloss ist eine Art Wiedererkennungszeichen für den ganzen Thurgau. Es ist eines der prominentesten Gebäude dieses schönen Kantons. Und was passierte da? Was ist da? Vielleicht die Geschichte dahinter? Was geht es beim Schloss Frauenfeld? Der Thurgau hat eine interessante Geschichte und diese Geschichte ist auch verboten mit diesem Schloss Frauenfeld. Es steht hoch über dem Fluss Murk. Eigentlich am Stadtrand, war auch mal Bestandteil der Stadtbefestigung, allerdings von der Stadt durch einen Graben getrennt. Und die Anfänge finden wir dieses Schlosses im beginnenden. 13. Jahrhundert, etwa um 1230, wurde der eigentliche Bergfried, der grosse Turm, errichtet, gebaut. Das ist ein 19 Meter hohes Gebäude mit sehr dicken Steinmauern. Dazu kam dann der Palas als Wohngebäude und das ganze Schloss wurde weiter ausgebaut, dann auch im 14. Jahrhundert. Erbauer waren die Herren von Kieburg, die Kieburger Grafen, die dann allerdings beerbt wurden im Jahr 1264 durch die Habsburger. Rudolf von Habsburg wurde wenig später dann König sogar und die Habsburger waren dann die Herren über den Thurgau, bis die Eidgenossen im Jahr 1460 den Thurgau eroberten und über Jahrhunderte als Landvogtei verwaltet haben. Und zwar abwechselnd jeweils die Landvögte von diesen sieben Orten, die hier beteiligt waren. Bern wurde erst im Jahr 1712 dazugezogen, nach dem Zweiten Wilmergenkrieg. Aber die alte siebenörtige Eidgenossenschaft hat jeweils abwechselnd den Landvogt gestellt über den Thurgau. Und der residierte in der Tat seit 1500. 1934 in diesem Schloss Frauenfeld. Was war der Sinn und Zweck dieses Schlosses? Repräsentation? War das die Festungsanlage von Frauenfeld? Es war beides. Es bot natürlich Schutz für diese Herren, die den Thurgau beherrschten. Es war auch ein repräsentatives Gebäude und die Frauenfelder wussten dann, wer die Herrschaft hat und wer hier das Sagen hat. Frauenfeld war ein reizvolles Städtchen, ungefähr drei Gassen in der Hauptsache. Frauenfeld wurde dann auch befestigt, aber es blieb ein kleines Städtchen. Heute ist Frauenfeld allerdings massiv angewachsen, hat etwa 27'000 Einwohner und ist damit natürlich mehr als nur eine kleine Stadt. Was muss man als Schweizer über den Thurgau wissen, vielleicht auch über Frauenfeld? Die Geschichte, was sind da die Eckpunkte, Eckdaten, die jeder Schweizer kennen sollte? Ich glaube, das Jahr 1460 ist ganz wichtig, weil damals eben der Thurgau eidgenössisch wurde. Allerdings natürlich auch etwas unterdrückt durch die alten Eidgenossen, also keineswegs als gleichwertiges Glied aufgenommen und weil es den Thurgauern nicht immer sehr gut... ging, sagte man ihnen auch nachs, dass sie hin und wieder etwas stehlen. Die Thurgauer haben lange Finger, so ein Ausspruch. Ich selber kann das nicht bestätigen, ich habe das nie gemerkt und ich glaube heute gibt es ganz andere Langfinger in unserem Land. Aber der Thurgau war tatsächlich dann Volktei, gemeinsam verwaltet durch die alten Eidgenossen, schliesslich dann achtörtig bis dann 1798. die Franzosen einmarschiert sind und dieser Herrschaft ein Ende gemacht haben. Darum ist für den Thurgau das Jahr 1803 auch ganz wichtig, denn 1803 wurde die Thurgau-Kultur gegründet. wurde der Thurgau zu einem selbstständigen, gleichberechtigten Kanton. Und vielleicht auch noch wichtig für den Thurgau, 1830 begann im Kanton Thurgau, genauer gesagt in Weinfelden, die Regeneration, der liberale Aufbruch, der dann auch andere Kantone betraf und infiziert hat, wenn ich dieses Wort mal bringen darf, also die freiheitlichen Bestrebungen nach Demokratie, nach... Gleichheit, nach Repräsentation, nach Kopfzahl. Da hat der Thurgau eine ganz enorme Rolle gespielt. Da ist der Name Thomas Bornhauser wichtig und wie gesagt die Volksversammlung von Weinfelden Ende des Jahres 1830. Inwiefern haben die Franzosen den Thurgau geprägt? Die Franzosen sind hier einmarschiert und haben natürlich letztlich den Thurgau die Freiheit gebracht, die Gleichheit, haben auch etliches geraubt und war nicht eine sehr angenehme Fremdherrschaft. Das muss man sagen, in diesen Jahren ging es der Schweiz nicht besonders gut. Aber was ist mit dem Schloss passiert, wo eben dann die Landvögte nicht mehr residierten? Man wusste nicht recht, was damit anfangen. Es war dann im beginnenden 19. Jahrhundert eine Arbeitsanstalt, eine Art... Zuchthaus für Arbeitsscheue etliche Jahre bis 1811. Und dann zog dann der Kanton ein. Man hat hier die Kantonskasse eingerichtet, sogar einen Tresor im Schloss eingebaut. Und da residierte auch ein mächtiger Regierungsrat, Johann Konrad Freienmuth, der hier gewohnt hat sogar im Schloss. Als dann aber die Regierungsgebäude verwirklicht wurden hier im Thurgau, In den 1860er Jahren verlor das Schloss seine administrative Bedeutung und man wollte es zuerst einer Bank verkaufen. Dann hat sich aber doch Widerstand geregt, denn diese Bank hätte das Schloss abgerissen und etwas Neues gebaut. Die Bevölkerung hier im Thurgau, speziell auch in Frauenfeld, hat sich dagegen aufgelehnt und zum Glück ist das Schloss erhalten geblieben mit allen seinen Teilen. Es wurde dann verkauft an eine Familie Bachmann. Die hat es lange besessen, hat es auch liebevoll unterhalten, bis dann 1855, Entschuldigung, 100 Jahre später, 1955, der Thurgau dieses Schloss gekauft hat. Die Familie Bachmann hat die Auflage gemacht, es muss hier ein historisches Museum rein. Wenn du die Mentalität der Thurgauer umreissen müsstest, was ist da die Eigenheit? Was zeichnet die Thurgauer aus? Die Thurgauer sind ein sehr geerdeter Volksstamm, möchte ich mal sagen. Es gibt natürlich nie irgendetwas, was man aussagen kann, das für alle gilt. Aber die Thurgauer gelten als seriös, sie gelten als arbeitsam. Sie sind sicher in der Eidgenossenschaft nicht jene, die einfach nur nehmen, sondern sie erarbeiten sich ihren Lebensunterhalt auch hier in... Frauenfeld natürlich, selbstverständlich war Frauenfeld als Kantonshauptort immer auch Verwaltungssitz, hatte relativ viele Kantonsangestellte, war dann auch Bildungsinstitution mit den Kantonsschulen, mit dem Gymnasium. Und Frauenfeld hat dann neben Industrie, die dann auch kam und viele Arbeitsplätze bereitstellte, auch im ausgehenden 19. Jahrhundert einen grossen Waffenplatz erhalten. für die Artillerie, so war auch das Militär dann über viele Jahrzehnte sehr wichtig und prägend für dieses Frauenfeld und für den ganzen Thurgau. Freiheit und Frauenfeld, gibt es da einen Zusammenhang? Ich würde doch meinen, dass die Freiheit dem Thurgau wichtig war und die Thurgauer wurden noch etwas vor den Zürchern befreit, befreit in Anführungszeichen, das heisst der Liberalismus hat eigentlich im Thurgau seinen Anfang genommen. Thurgauer, der Hahn, hat gekräht, hat Thomas Bornhauser 1830 ausgerufen, es ist Zeit, die Verfassung in liberalem, in freiheitlichem Sinn zu erneuern. Und da sind die Thurgauer dann tatsächlich vorangeschritten. Religion? Die Religion in Frauenfeld war immer hauptsächlich nach der Reformation schon die reformierte. Aber es haben... sich immer auch die Katholiken gehalten, natürlich immer auch gefördert, wenn jeweils von den eidgenössischen Landvögten die katholischen Orte dran waren. Und man ist hier aneinander vorbeigekommen bis heute. Es gibt doch eine relativ... Deutliche Minderheit von Katholiken, heute vielleicht sogar mehr hier in Frauenfeld, aber man ist aneinander vorbeigekommen und die ganz grosse Kirche, so wie ich es sehe, ist heute doch die katholische Kirche hier in Frauenfeld. Andere Gebiete im Thurgau sind wieder rein reformiert oder dann rein katholisch. Das ist also sehr gemischt, eine Art Flickenteppich. Wirtschaft, Ökonomie, Industrie. Wird Frauenfeld unterschätzt? Wird der Thurgau unterschätzt? Der Thurgau wird sicher unterschätzt. Der Thurgau hat viele KMU, hat auch grössere Betriebe. Wir haben sie auch hier im Umfeld von Frauenfeld gesehen. Da werden also wirklich viele Arbeitsplätze bereitgestellt und das ist sehr wichtig. Natürlich in Frauenfeld auch das Gesundheitswesen, das Kantonsspital, das hier eine Rolle spielt und Arbeitsplätze anbietet. Und wie ich gesagt habe, natürlich, die Verwaltung ist ebenfalls von grosser Wichtigkeit. Würdest du sagen, wenn Thurgau, wenn Frauenfelden, wenn das eine Aktie wäre, sie wäre deutlich unterbewertet im Rang, jetzt im Vergleich mit Zürich, Bern, Basel, mit all diesen grossen Städten, grossen Kantonen. Wie siehst du das im Vergleich? Ich meine schon, der Thurgau ist natürlich auch landschaftlich reizvoll, noch an vielen Orten sehr grün. eben unverbaut, was diesen Thurgau einzigartig macht. Mostindien sagt man ja auch, weil eben so viele Äpfel hier gedeihen und die Landwirtschaft immer noch eine grosse Rolle spielt in diesem Kanton, neben der Industrie, neben den vielen Dienstleistungen, die sich hier angesiedelt haben. Und für Zürcher namentlich ist natürlich der Thurgau eine Ausweichmöglichkeit, weil man doch noch immer billiger wohnen kann und auch billiger noch Eigentum erwerben kann, so es dann den Familien überhaupt noch möglich ist. Was passiert heute in diesem Schloss, mit diesem Schloss? Was weisst du darüber? Der Thurgau hat dieses Schloss aufwendig restauriert und man wollte fertig sein im Jahr 1960, denn damals jährte sich das fünfte Jahrhundert der Zugehörigkeit zur Eidgenossenschaft. Und man hat in der Tat in diesem Schloss das... Thurgauische Historische Museum, eingerichtet auf drei Stockwerken. Heute sehr reizvoll anzusehen, auch sehr raffiniert, inszeniert mit entsprechenden Handlungsträgern aus den verschiedenen Zeiten. Aus der Zeit der Vogtei, der Ritter, dann der eidgenössischen Landvögte, der eidgenössischen Ära und der neueren Zeit. Auch der Familie Bachmann wurde gedacht, die hier eben über längere Zeit gewohnt hat und dieses Museum ist wirklich wichtig als eigentliches Kantonsmuseum in historischem Sinne für den Thurgau. Und ein Prunkstück, das hier ausgestellt ist, ist die sogenannte Frauenfelder Mitra. Es handelt sich hier um einen prachtvollen Abtut aus der Zeit des Konzils von Konstanz, das 1414 bis 1418 stattfand. und diese Mithra Diesen Abtut wurde sehr aufwendig gestaltet und kann hier als eigentliches Prunkstück im Museum noch immer bewundert werden. Es gibt auch ein schönes Schwert von etwa 1300 und viele andere sehr schöne Objekte, wo natürlich auch die Kinder, die Schulklassen sich gerne weiterbilden. Welche Facette, welchen Aspekt von Thurgau, von Frauenfeld haben wir noch nicht umrissen, sollten wir aber noch umreissen, um... ein vollständiges oder ein möglichst vollständiges Bild von Thurgau und Frauenfeld zu zeichnen. Was die Politik betrifft, so ist Frauenfeld der Kantonshauptort, aber war immer etwas herausgefordert durch die Konkurrenz von Weinfelden. Und so ist eigentlich auch der grosse Rat bzw. das Kantonsparlament gehalten, jeweils abwechselnd in Frauenfeld und dann auch wieder in Weinfelden zu politisieren. Das ist eine Einzigartigkeit, die ich sonst nicht kenne, dieser Wechsel des Parlaments und damit auch die Referenz ans ebenfalls wichtige Weinfelden, auch historisch wichtig. Frauenfeld wurde sehr lange durch die Freisinnigen bestimmt. Es ist meines Wissens immer noch hauptsächlich bürgerlich. Das ist ein... Unterschied vielleicht zu anderen Städten, etwa Arbon, eine typische Arbeiterstadt, die dann auch entsprechend eher sozialdemokratisch geprägt ist. Aber hier war der Freisinn wichtig und generell im Thurgau, vor allem in den ländlichen Gebieten, ist natürlich die SVP vorherrschend, ist sicher mit Abstand die grösste Partei des Thurgaus. Das vielleicht noch zu den politischen Aspekten dieses schönen Kantons. Lieber Christoph, ganz herzlichen Dank für deine Ausführungen. Ihnen danken wir ganz herzlich für die Aufmerksamkeit. Wir wünschen Ihnen mit diesen Eindrücken vom Schloss Frauenfeld ein schönes Wochenende. Bis zum nächsten Mal bei Meilensteine der Schweizer Geschichte und auch Weltwoche DEL Spezial. Vielen herzlichen Dank.
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