Eine Mehrheit junger französischer Muslime stellt islamisches Recht über die Gesetze der Republik. Dies zeigt eine neue Studie des Magazins Ecran de veille. 57 Prozent der 15- bis 24-Jährigen sind der Meinung, dass die Scharia in Fragen wie Eheschliessung, Erbrecht oder ritueller Schlachtung Vorrang haben sollte. Vor dreissig Jahren lag dieser Anteil bei 36 Prozent.
LUDOVIC MARIN / POOL / KEYSTONE
Studienautor François Kraus spricht von einer «Re-Islamisierung» der jungen Generation. «Fundamentalismus hat die Köpfe von mehr als einem Drittel der Muslime erobert», sagte Kraus dem Telegraph. 38 Prozent der Befragten sympathisierten 2025 mit islamistischen Positionen – doppelt so viele wie 1998.
Die Untersuchung verzeichnet zudem eine deutliche Zunahme religiöser Praxis: Der Moscheebesuch junger Muslime ist von 7 Prozent im Jahr 1989 auf 40 Prozent gestiegen, das Fasten im Ramadan von 51 auf 83 Prozent. Auch das Tragen des Kopftuchs habe sich fast verdreifacht. Gleichzeitig konsumieren nur noch 12 Prozent Alkohol, deutlich weniger als 2011.
Der Politologe Pierre-Romain Thionnet vom Rassemblement National erklärte, die muslimische Jugend «assimiliere sich nicht, sondern re-islamisiere sich». Der frühere Salafisten-Imam Bruno Guillot sagte gegenüber Europe 1: «Islam ist Scharia – Scharia ist Islam.»
Chems-Eddine Mohamed Hafiz, Rektor der Grossen Moschee von Paris, betonte dagegen, viele junge Muslime reagierten auf gesellschaftliche Ausgrenzung: 66 Prozent fühlten sich laut einer früheren Umfrage als Opfer von Rassismus.