Poptitan Dieter Bohlen lobt in einem aktuellen Youtube-Interview des Kanals «Kettner-Edelmetalle» die Schweiz – und sieht die Neutralität als das Gebot der Stunde für ein Deutschland, das sich in ideologischen Grabenkämpfen und kriegerischer Rhetorik verliert.
Bohlen lässt keinen Zweifel daran: Die Neutralität, die schweizerische Form der Staatsführung, ist für ihn eine «schöne Form», ein Modell der Vernunft. Er bewundert die Fähigkeit der Eidgenossen, sich aus den zerstörerischen Händeln der Weltpolitik herauszuhalten und stattdessen das Gespräch mit allen Seiten zu suchen. «Mit allen reden finde ich einfach gut.» In einer Zeit, in der Deutschland sich unter einer Regierung im freien Fall befindet – geplagt von Bürokratie, Rekordsteuern und einer gefährlichen Sehnsucht nach Panzerproduktion –, hält Bohlen die Neutralität für das einzige Mittel dafür, den Wahnsinn zu stoppen.
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Der Poptitan wird ungewohnt ernst, wenn es um die Zukunft seiner Kinder geht: «Keines meiner Kinder wird jemals in irgendeinen Krieg ziehen», schwört er. Er geisselt die Verwandlung deutscher Industriegiganten in eine «Kriegsindustrie» und findet es ethisch zutiefst fragwürdig, mit Panzerbau und Drohnen Geld zu verdienen. Für Bohlen ist die Neutralität – das Modell Schweiz – die logische Antwort eines «radikalen Pazifisten» auf eine Welt, die nur noch «Krieg, Krieg, Krieg» kennt. Sein Rat an Deutschland ist so schlicht wie brillant: Kleinere Brötchen backen, sich aus den Gesprächen, die man ohnehin nicht beeinflussen kann, heraushalten und wieder lernen, mit jedem zu reden, statt jeden zu belehren.
Bohlen warnt zudem vor der Erosion der Freiheit in Europa. Dass man heute «sanktioniert» wird, wenn man den Mund aufmacht – wie jener Schweizer, dem man die Bankkonten sperrt – ist für ihn ein Zeichen für den Rückfall in autoritäre Muster. Er sieht die Demokratie gefährdet, wenn Meinungsunterschiede nicht mehr ausgehalten, sondern kriminalisiert werden. Die Schweiz ist für ihn der letzte Hort, an dem dieser Geist der Freiheit und der Unabhängigkeit noch weht.