Mehr Schweiz wagen
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Nach den Parlamentswahlen war in Deutschland von einem Sieg der «rechtsextremen SVP» die Rede. Die Schweiz zeige ihr «hässliches» Gesicht. Das ist natürlich Unsinn.

Seit jeher und immer wieder staunt die Welt über Deutschland und weiss sich nicht zusammenzureimen, was dort geschieht: Immer gibt es da Unruhe, Gedankenlärm und Bewegung, Probleme und Programme, immer Fanfaren von Erwartungen, Vorsätzen, Zukunftsplänen, immer werden Ziele gesetzt, immer wird «marschiert», und dabei scheint es keinen Unterschied zu machen, ob das Volk sich in Wohlstand befindet oder in Not.

© KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
Blick von der Schwandegg am Niesen auf Thunersee, Interlanken und (hinten) Brienzersee, am Mittwoch, 5
© KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE

Ernst Kahler

 

Am letzten Sonntag gab es Wahlen in der Schweiz. Die Politik rückte leicht nach rechts. Nach dem Sieg der Grün-Roten vor vier Jahren gewannen jetzt wieder die Bürgerlichen, allen voran die Schweizerische Volkspartei (SVP). Die Botschaft des Wählers an die Politik war ziemlich eindeutig: Stoppt endlich die massive illegale Einwanderung. Hört auf mit den rot-grünen Energieexperimenten ins Nichts. Stärkt die Unabhängigkeit und Neutralität der Schweiz. Wir wollen keine Nato- oder EU-Anbindung. Die Eidgenossenschaft soll sich raushalten aus fremden Kriegen.

 

Rückgrat des Widerstands

Man kann das alles richtig oder falsch finden, doch es ist der Wille des Schweizer Wählers. Und der sollte nun mal ausschlaggebend und verbindlich sein in einer Demokratie. Die meisten deutschen Medien allerdings nahmen den Wahlausgang zum Anlass, aus vollen Rohren auf die Schweiz zu feuern, so als ob gerade die Nazis das Kommando in der sich seit Jahrhunderten durch erfreuliche politische Langweiligkeit auszeichnenden Alpenrepublik übernommen hätten. Von einem Sieg der «rechtsextremen SVP» war da die Rede. Die Schweiz zeige ihr «hässliches» Gesicht.

Das ist natürlich alles Unsinn. Doch der Unsinn scheint sich in der deutschen Medienwelt zur Gewissheit zu verdichten. Stellen wir hier also klar: Die Schweizerische Volkspartei (SVP) ist keine «rechtsextreme», sondern eine liberalkonservative Partei. Sie ist seit 1848 fest verankert im schweizerischen Bundesstaat, anfänglich als Teil der freisinnigen Grossfamilie, seit 1917 in vielen Kantonen als eigenständige Partei der Bürger, Bauern und Gewerbler. Bildet die FDP sozusagen den Honoratioren-Freisinn der Wohlhabenden, ist die SVP das bodenständige Pendant dazu.

Offensichtlich haben die deutschen Journalisten keine grosse Ahnung von der Schweiz und ihrer Geschichte. Sonst wäre ihnen bekannt, dass gerade die SVP während der zwanziger und dreissiger Jahre des letzten Jahrhunderts am entschiedensten unter den bürgerlichen Parteien gegen den roten und braunen Totalitarismus auf die Barrikaden stieg. Während es zunächst im liberalen Schweizer Grossbürgertum und auch bei einigen Vertretern des politischen Katholizismus einzelne Sympathisanten für die Nazis gab, waren die Bauern und Gewerbler Rückgrat des Widerstands.

Interessanterweise hat sich die Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB), heute SVP, gerade deshalb vom Freisinn getrennt, weil man am Vorabend der russischen Revolution nicht so sicher war, ob die Liberalen stark genug sein würden, um den sozialistischen Versuchungen zu widerstehen. Die SVP ist seit über neunzig Jahren in der schweizerischen Landesregierung vertreten, zunächst mit einem, heute mit zwei Bundesräten. Seit über zwanzig Jahren ist sie konstant mit nur leichten Schwankungen die mit Abstand stärkste Partei in einem der stabilsten und demokratischsten Staaten der Welt.

Wenn also deutsche Medien den SVP-Erfolg in selbstbewusster Ahnungslosigkeit als Sieg der Rechtsextremen feiern, ist das vor allem eine Beleidigung für den Schweizer Wähler. Seit dem Umzug der Hauptstadt von Bonn nach Berlin scheint eine neue Überheblichkeit die deutsche Politik und die eng mit ihr verquickten Medien zu befallen. Mehr als schräg wirkt, wenn ausgerechnet deutsche Journalisten auf der Schweiz herumstampfen. Ein Blick ins Geschichtsbuch hilft. Man vergleiche nur die letzten 175 Jahre. Wo ging es friedlicher und demokratischer zu? In Bern oder in Berlin?

 

Rezepte für den Untergang

Doch wir wollen die Polemik nicht mit Polemik kontern. Anstatt auf der Schweiz herumzuhacken, könnten sich die deutschen Medien an der Schweiz ein Vorbild nehmen. Das bietet sich nur schon deshalb an, weil jährlich rund 35.000 meist gutausgebildete Deutsche in die Schweiz auswandern. Sie stimmen mit den Füssen ab und scheinen offensichtlich nicht das Gefühl zu haben, in ein europäisches Herz der Finsternis aufzubrechen. Nein. Den Deutschen gefällt es in der Schweiz. Sie sehen, dass die Schweiz vieles gut und einiges besser macht. Sonst würden sie nicht kommen.

Deutschland könnte mehr Schweiz wagen. Vielleicht liesse sich damit auch der Exodus der Talentierten und Gutausgebildeten eindämmen. Die meisten Deutschen dürften mehr Verständnis für das Wahlergebnis vom letzten Wochenende haben als ihre Medien. Sie merken längst, dass die rot-grüne Politik auch ihr Land ins Elend führt. Die ruinöse Zuwanderung, die selbstmörderische Energiewende, dann das zusehends aggressive, kriegerische Auftrumpfen in der Welt: Das sind die Rezepte für den Untergang, von denen sich die Schweiz jetzt, immerhin, ein Stück weit befreite.

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