Er hat es schon wieder getan. Der ehemalige VW-Chef Matthias Müller verglich die heutige Bundesrepublik schon mal mit der DDR – und sagt jetzt in einem Interview mit T-Online erneut: «Ich fürchte, wir sind auf dem Weg zu einer DDR 2.0.»
Müller warnt: «Wenn jetzt nicht tiefgreifende Reformen stattfinden, und zwar auf allen Gebieten, dann werden wir ein rückläufiges Wirtschaftswachstum erleben wie seit Jahrzehnten nicht mehr.»
Die Brandmauer-Politik der Bundesregierung sei falsch. Sie sorge bloss dafür, «dass sich die AfD schön eingehegt weiterentwickeln kann». Müller rät, die Brandmauer «ein Stück weit» zu öffnen. Er sage das auch deshalb, weil unter den AfD-Wählern «eben nicht nur Rechtsradikale sind. Da sind auch Rechtskonservative dabei, ganz normale Menschen, die früher vielleicht CDU oder CSU gewählt haben und sich aus Verzweiflung dorthin begeben haben».
Natürlich ist die Bundesrepublik nicht mit dem sozialistischen Unrechtsstaat der DDR gleichzusetzen, der seine Bürger einsperrte und an der Grenze erschoss. Doch die Fratze eines autoritären Unrechtsstaats zeigt sich auch heute immer wieder, sei es bei den Corona-Massnahmen, die sich über Grundrechte hinwegsetzten, sei es bei der Spitzelmentalität des Verfassungsschutzes gegen unbescholtene Bürger, sei es bei der Einschränkung der Redefreiheit oder bei den staatlich mitfinanzierten Protesten gegen die Opposition. Bei alldem kann man sich aus der Ferne durchaus an DDR-Methoden erinnert fühlen.
So zutreffend Müllers Analyse bei aller rhetorischen Zuspitzung ist – in gewisser Weise ist er Teil des Problems, das er beschreibt. Auf die Frage, ob er die AfD «normalisieren» wolle, sagt er: «Nein.» Es gehe auch darum, «die Unfähigkeit der Partei zutage zu bringen». Ein echtes Demokratieverständnis klingt anders.
Auch war er selbst als Volkswagen-Boss Vertreter jenes nun von ihm kritisierten Systems, bei dem die Politik die Wirtschaft bis zum Ersticken umarmt und ihr noch die absurdesten bürokratischen Vorschriften auferlegt. Müllers Kritik kommt spät, und sie ist unvollständig – aber immerhin.