Marie-Agnes Strack-Zimmermann, sicherheitspolitische Sprecherin der FDP und EU-Abgeordnete, fordert eine Reform der Wehrdienstpolitik in Deutschland: Frauen sollen künftig ebenso gemustert werden wie Männer. «Es gibt keinen Grund, auf die Hälfte der Bevölkerung zu verzichten», sagte sie in einem Interview mit der Zeitung Die Welt.
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Verfassungsrechtlich ist eine Ausweitung der Musterung auf Frauen aus ihrer Sicht möglich. Die Politikerin kritisiert zugleich das ab 2026 geplante System mit einem verpflichtenden Fragebogen für 18-Jährige als umständlich. Musterungen müssten stattdessen direkt an Schulen und Ausbildungsstätten erfolgen. «Attraktivität entsteht nicht durch Papier, sondern durch klare Angebote: Stipendien, Zuschüsse, echte Perspektiven», so Strack-Zimmermann.
Trotz ihrer liberalen Grundhaltung zeigt sie sich offen für das geplante Wehrdienstmodell, das auf Freiwilligkeit basiert. «Wer Deutschland verteidigen soll, muss das aus Überzeugung tun, weniger aus Zwang», erklärte sie. Bei jährlich rund 400.000 jungen Männern seien 250.000 musterungsfähig – 10 bis 15 Prozent davon zu gewinnen, sei realistisch.
Um die Bundeswehr langfristig attraktiver zu machen, schlägt sie vor, Militärakademien nach dem Vorbild der USA oder Israels zu gründen. Diese sollen praxisorientierte Studiengänge mit militärischer Ausbildung kombinieren, etwa in Bereichen wie Cybersicherheit, Drohnentechnik oder künstlicher Intelligenz. «Wer sich verpflichtet, bekommt ein Studium und kann danach eigene Projekte aufbauen», so Strack-Zimmermann.
Gleichzeitig fordert sie eine tiefgreifende Reform der internen Strukturen: «Zu viele Soldaten verbringen zu viel Zeit in der Kaserne und der Verwaltung.»